Aus dem Verband

Fachrat Agrargenossenschaften diskutierte in Bad Belzig

  • 24.03.2026
  • Aus dem Verband

Der Fachrat der Fachvereinigung der Agrargenossenschaften kam am 18. März 2026 im Paulinenhof in Bad Belzig zusammen. Die Sitzung war geprägt von intensiven fachlichen Diskussionen, aktuellen politischen Entwicklungen und einem starken praxisorientierten Austausch. Neben einem ausführlichen agrarpolitischen Update bildeten insbesondere die Marktentwicklungen, rechtliche Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte sowie ein praxisnaher Bericht zum Sojaanbau wichtige Schwerpunkte der Beratung. Zugleich standen Nachnominierungen für den Fachausschuss Agrargenossenschaften des Deutschen Raiffeisenverbandes e.V. an.

Wirtschaftliche Lage und Update aus dem Genoverband e.V.

Peter Götz gab einen Einblick in die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage und betonte die Auswirkungen geopolitischer Konflikte auf Energiepreise und Betriebsmittelkosten. Zudem ordnete er internationale Entwicklungen wie das Mercosur-Abkommen ein, das Chancen bietet, aber auch Wettbewerbsdruck erzeugt. Er erläuterte die DRV-Satzungsreform, deren Ziel eine stärkere Rolle des Ehrenamts und eine modernisierte Governance ist. Abschließend hob er die positive Entwicklung im Genoverband hervor – darunter wirtschaftliche Stabilität, neue Genossenschaftsgründungen sowie aktuelle Projekte wie die VSME-Pilotierung und den Nachwuchspreis ‚Agrarhelden‘.

Einstimmige Nachnominierungen für den DRVFachausschuss

Der Fachrat sprach drei Nachnominierungen für den DRV‑Fachausschuss Agrargenossenschaften einstimmig aus. Gewählt wurden Elard von Gottberg von der Agrargenossenschaft Ziesar eG, Florian Schulze von der Agrargenossenschaft ‘Hoher Fläming’ Rädigke eG sowie Steffen Dalichau von der Agrargenossenschaft Wörlitz eG. Mit ihrer Wahl setzt der Fachrat auf eine starke Mischung aus fachlicher Expertise, regionaler Verwurzelung und langjähriger genossenschaftlicher Erfahrung.

Agrarpolitische Einordnung: Herausforderungen zwischen GAP, Bürokratie und Wettbewerbsfähigkeit

Ein ausführliches agrarpolitisches Update durch Dr. Andreas Eisen machte deutlich, dass die Branche weiterhin vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen steht. Besonders kritisch bewertet wurden die zunehmenden Renationalisierungstendenzen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, die zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen zwischen den EU‑Mitgliedstaaten führen könnten.

Große Sorge bereiten zudem die weiterhin diskutierten Modelle von Degression und Kappung, die kooperativ organisierte Betriebe strukturell benachteiligen und die genossenschaftliche Organisationsform im Kern schwächen würden. Gleichzeitig wurde kritisiert, dass die Vorschläge zur GAP keine Erleichterungen im Bereich Abbaus bürokratischer Anforderungen bringen würde – im Gegenteil! der fortschreitende Bürokratieaufwuchs als zentrale Belastung hervorgehoben. Der Fachrat fordert daher eine starke europäische Agrarpolitik, die Planungssicherheit schafft, faire Bedingungen gewährleistet und Genossenschaften als demokratische, kooperative Unternehmensform ausdrücklich stärkt.

Marktentwicklungen: Stabilisierung mit Unsicherheiten

Einen breiten Raum nahmen die Einschätzungen zu den Agrarmärkten ein. Für den Getreidemarkt stellte Guido Seedler (DRV) heraus, dass trotz leichter Stabilisierung weiterhin erhebliche Unsicherheiten bestehen. Geopolitische Spannungen, volatile Transport‑ und Energiekosten sowie wetterbedingte Produktionsrisiken bleiben bestimmende Faktoren. Auch die Milchmarktlage, vorgestellt von Dr. Simone Roscher, zeigt eine ähnliche Entwicklung. Die Preise bewegen sich zwar in einem leicht stabileren Umfeld, jedoch weiterhin auf einem hohen Kostenfundament.

Saisonarbeitskräfte: Rechtsrahmen und praktische Herausforderungen

Ein weiterer Schwerpunkt der Fachratssitzung war der Umgang mit Saisonarbeitskräften. In ihrem Fachvortrag gab Barbara Siwirska einen präzisen Überblick über die aktuellen sozialversicherungsrechtlichen Vorgaben. Sie machte deutlich, dass die korrekte Einstufung der Beschäftigungsart sowie die Einhaltung aller Melde‑ und Dokumentationspflichten entscheidend für die Rechtssicherheit der Betriebe sind. Unsicherheiten bestehen insbesondere bei kurzfristigen Beschäftigungen, die bei fehlerhafter Handhabung finanzielle und rechtliche Risiken nach sich ziehen können.

Wie sind verbundenen Unternehmen in der GAP zu bewerten?

Große Diskussionen gab es aktuell in Thüringen zur Thematik „verbundene Unternehmen und GAP“. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Agrargenossenschaften und deren Tochter‑ oder Beteiligungsunternehmen zukünftig agrarrechtlich bewertet werden – insbesondere im Kontext der Förderregularien und der GAP‑Umsetzung in den Bundesländern. Diese stellt etablierte, seit Jahrzehnten politisch geförderte Unternehmensstrukturen plötzlich in Frage, indem Tochterunternehmen nicht mehr als eigenständige Betriebe anerkannt werden sollen. Das hätte unmittelbare Folgen für Agraranträge und Förderansprüche. RA Uwe Tiet stellte den aktuellen Stand der Diskussion vor und ordnete die rechtlichen und agrarpolitischen Entwicklungen ein.

Tiet betonte, dass diese Entwicklung weder fachlich noch rechtlich überzeugend sei und eine drastische Abkehr von der bisherigen Diversifizierungsstrategie der Betriebe bedeute. Ein gewisses Einlenken und eine für die aktuell GAP-Antrag einigermaßen praktikable Lösung zeigt die vom Thüringer Ministerium zur Verfügung gestellte Checkliste zur Einordnung verbundener Unternehmen. Der Genoverband wird die Diskussion weiter aktiv und kritisch begleiten und arbeitet daran, Rechtssicherheit für Genossenschaften und deren Unternehmensverbünde herzustellen.

Praxisbericht zum Sojaanbau: Chancen mit klaren Standortanforderungen

Ein praxisnaher Bericht zum Sojaanbau wurde von Matthias Ulrich von der Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg eG vorgestellt. Seine Ausführungen zeigten, dass Soja als Kultur in Deutschland grundsätzlich Potenzial besitzt, jedoch an klare Standort‑ und Wetterbedingungen gebunden ist. Die Auswahl geeigneter Sorten, die Anpassung der Fruchtfolge, Bodenbeschaffenheit und klimatische Faktoren sind entscheidend für wirtschaftlich sinnvolle Erträge. Gleichzeitig eröffnen sich neue Vermarktungschancen, insbesondere im Bereich gentechnikfreier Premiumprodukte.

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Dr. Andreas Eisen

Politische Interessenvertretung

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