Der Fachrat der Fachvereinigung der gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften tagte am 19. und 20. März 2026 im GenoHotel Baunatal. Bereits der Vorabend bot einen besonderen Auftakt: Markus Maier, Geschäftsführer der GenoHotel GmbH, begrüßte die Teilnehmenden persönlich und stellte das modernisierte Hotel und die geplante innovative Energieversorgung vor. Diese zeigt beispielhaft, wie genossenschaftliche Unternehmen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und technische Zukunftsfähigkeit erfolgreich verbinden können. Anschließend nutzten die Mitglieder beim Come-together die Gelegenheit zu ersten Gesprächen und Austausch.
Die offizielle Eröffnung des Programms erfolgte mit einer inspirierenden Dinner-Speech von Ralph Goldschmidt unter dem Titel „ZukunftsLUST statt KrisenFRUST oder: Das Leben ist wie Brot – irgendwann wird’s hart“. Seine Impulse richteten sich auf mentale Stärke, Resilienz und Führung in herausfordernden Zeiten – ein passender Auftakt zu einer Sitzung, die stark von Zukunftsfragen geprägt war.
Am folgenden Tag eröffnete Jörg Lecke als stellvertretender Vorsitzender des Fachrates, die Sitzung. Zunächst wurden drei neue Mitglieder einstimmig kooptiert: Dr. Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer des MITTELSTANDSVERBUNDES - ZGV, Astrid Heinze, Geschäftsführerin der ANWR Schuh GmbH sowie Jürgen Magull, Geschäftsführer der BREKO Einkaufgemeinschaft eG, Bonn. Die Erweiterungen unterstreichen die kontinuierliche Vernetzung der gewerblichen Genossenschaften mit relevanten mittelständischen Entscheidungsstrukturen.
Einen zentralen Programmpunkt bildete das Update des Genoverbandes, präsentiert von Peter Götz gemeinsam mit Christoph Gottwald. Im Fokus standen die wirtschaftliche Lage, die von einer weiterhin stabilen Entwicklung geprägt ist, sowie strategische Themen des Verbandes für das Jahr 2026. Angesichts zunehmender regulatorischer Anforderungen, komplexer Marktbedingungen und wachsender Erwartungen an Dienstleistungen hob das Update die Notwendigkeit hervor, Genossenschaften stärker bei Digitalisierung und Transformation zu begleiten – gekoppelt mit dem Appell nach klarer politischer Planungssicherheit und Bürokratieabbau.
An diese wirtschaftliche Einordnung schloss Dr. Andreas Eisen mit einem Politik-Update an. Dabei stellte er den anhaltenden politischen Schwerpunkt auf Bürokratieabbau heraus, der insbesondere im Mittelstand und in genossenschaftlichen Unternehmen von entscheidender Bedeutung ist. Weitere politische Gespräche und Positionierungen drehten sich um Infrastrukturinvestitionen, die Rolle regionaler Genossenschaften für Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Perspektiven der anstehenden Landtagswahlen im Jahr 2026.
Im nächsten Themenblock wurden Vernetzung und Branchenschnittstellen beleuchtet: Dr. Stefan Touchard stellte die neue Fachvereinigung Verkehr und Logistik vor und zeigte auf, wie Themen wie Lieferketten, Energie, Mobilität und Infrastruktur künftig gemeinsam betrachtet werden sollen. Die enge Verzahnung verspricht neue Impulse sowohl für gewerbliche Genossenschaften als auch für verbundene Branchen.
Einen konkreten Digitalisierungsimpuls bot das Praxisbeispiel „Mit KDintras zu OpenGeno“, vorgestellt von Robert Parron (Konsum Dresden eG) und Timo Starke (OpenGeno). Es demonstrierte anschaulich, wie eine moderne Daten- und Systemarchitektur den Informationsfluss, die Effizienz und die Kooperation innerhalb genossenschaftlicher Strukturen spürbar verbessern kann.
Ein weiterer zukunftsweisender Schwerpunkt war das Thema Künstliche Intelligenz in der Unternehmenspraxis. Christian Dicke (AWADO) stellte konkrete Anwendungsfälle vor – von automatisierten Prozessen über datenbasierte Entscheidungsunterstützung bis hin zur strategischen Nutzung von KI-Systemen im Tagesgeschäft.
Mit einem offenen Austausch endete die Sitzung. Die zwei Tage in Baunatal verdeutlichten erneut, welche dynamische Entwicklung die gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften derzeit durchlaufen: professioneller, digitaler, politisch sichtbarer und stark vernetzt.