In diesem Jahr war der Genoverband e.V. zum zweiten Mal mit einem Gemeinschaftsstand gemeinsam mit Volks- und Raiffeisenbanken aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf der „agra“ vertreten. Der Stand entwickelte sich über alle Messetage hinweg zu einem festen Anlaufpunkt für Mitgliedsbetriebe, Partner und politische Gesprächspartner – mit vielen konkreten Fragen zu Rahmenbedingungen, Förderlogik und Investitionsfähigkeit in der Landwirtschaft und Beratungsleistungen der AWADO Agrar- und Energieberatung.
Darüber hinaus zeigten auf der agra 2026 weitere genossenschaftliche Unternehmen deutliche Präsenz – darunter die AGRAVIS Raiffeisen AG, die Agrargenossenschaft Memmendorf eG sowie die Genießergenossenschaft Sachsen eG.
Die agra ist die zentrale Landwirtschaftsausstellung für Ost- und Mitteldeutschland und bringt Betriebe, Verbände, Politik und Unternehmen zusammen. Neben Technik- und Tierzuchtthemen prägten 2026 vor allem die politischen Debatten zu Förderarchitektur und Wettbewerbsfähigkeit die Gespräche in den Hallen.
Agrarpolitisches Forum mit Christophe Hansen: GAP-Zukunft, Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau
Ein Höhepunkt der agra 2026 war das Agrarpolitische Forum mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen. Die Diskussion bot einen direkten Realitätscheck aus der Praxis: Welche Förder- und Regelungslogik braucht es ab 2028, damit Betriebe investieren können, ohne in Auflagen und Antragslogiken zu ersticken – und wie bleibt die europäische Landwirtschaft unter Wettbewerbsdruck resilient? Vor diesem Hintergrund – insbesondere mit Blick auf die anstehenden Weichenstellungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 und die Frage fairer Wettbewerbsbedingungen – positionierte der Genoverband seine Anliegen sichtbar und praxisnah.
Dr. Andreas Eisen brachte für den Genoverband die Perspektive der Agrargenossenschaften ein und rückte die Strukturrealität in Ostdeutschland in den Fokus. Er warnte: „Eine Kappung bei 100.000 Euro gefährdet die Existenz vieler Agrargenossenschaften!“. Dies hatte auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer bei der Eröffnung der agrar 2026 betont, die EU-Agrarförderung, so Kretschmer dürfe nicht zu Lasten der ostdeutschen Landwirtschaft, mit ihren größeren Betrieben und genossenschaftlichen Strukturen gehen, die in bisherigen Plänen benachteiligt würden.
Deutlich wurde: Pauschale Instrumente wie Kappung und Degression würden kooperative Strukturen und Mehrfamilienbetriebe strukturell benachteiligen, ohne die tatsächliche Leistungsfähigkeit, Beschäftigungswirkung und Wertschöpfung vor Ort angemessen abzubilden. Zentraler Appell aus dem Forum an Kommissar Hansen war daher, die GAP-Weiterentwicklung an Praktikabilität, Planungssicherheit und fairer Behandlung aller Betriebsformen auszurichten.