Beim „Politik trifft Praxis“ mit dem Sächsischen Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Georg‑Ludwig von Breitenbuch, haben Vertreter sächsischer Agrargenossenschaften und des Genoverband e.V. zentrale agrarpolitische Zukunftsfragen offen und konstruktiv diskutiert. An dem Austausch nahmen unter anderem Peter Götz, Vorstand des Genoverband e. V., Dr. Andreas Eisen, Public Affairs Genoverband e. V., sowie Jan Gumpert, Fachratsvorsitzender Agrargenossenschaften, teil.
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028. Deutlich wurde eine weitgehende Einigkeit in der kritischen Bewertung der aktuellen Vorschläge der EU‑Kommission. Gemeinsam wurde betont, dass die künftige GAP keine Benachteiligung ostdeutscher Agrarstrukturen und insbesondere der Agrargenossenschaften zur Folge haben darf. Große, arbeitsintensive Betriebe und kooperative Mehrfamilienbetriebe müssen auch künftig gleichberechtigt Zugang zu Förderinstrumenten haben – unabhängig von ihrer Rechtsform.
Peter Götz, Vorstand des Genoverband e. V.: „Agrargenossenschaften sind tragende Säulen der ostdeutschen Landwirtschaft. Die GAP der Zukunft darf diese Strukturen nicht schwächen, sondern muss sie ausdrücklich gleichbehandeln und verlässlich unterstützen.“
Alle Gesprächspartner waren sich einig, gemeinsam auf EU‑Ebene und gegenüber dem Bund darauf hinzuarbeiten, dass die GAP ausreichend und inflationsfest ausgestattet bleibt, Kappung und Degression abgelehnt werden, eine Renationalisierung der Agrarpolitik verhindert wird und die Junglandwirteförderung auch in Agrargenossenschaften praxistauglich ausgestaltet wird.
Dr. Andreas Eisen, Public Affairs Genoverband e. V.: „Angesichts des enormen Zeitdrucks und der großen inhaltlichen Differenzen zum Vorschlag der EU‑Kommission wäre es sogar sinnvoll, die GAP‑Reform zu verschieben – übereilte Kompromisse führen sonst zu einer unpraktikablen, komplizierten und am Ende wenig sinnvollen GAP.“
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die Zukunft der Tierhaltung. Hier bestand Einigkeit darüber, dass es verlässliche, langfristige Rahmenbedingungen und zielgerichtete Fördermöglichkeiten braucht. Investitionen in tierwohlgerechte Ställe brauchen Förderprogramme, die so ausgestaltet sind, dass sie Betrieben echte Zukunftsperspektiven eröffnen. Tierwohl und Umweltschutz sowie wirtschaftliche Tragfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit der Betriebe müssen dabei gemeinsam gedacht werden.
Jan Gumpert, Fachratsvorsitzender Agrargenossenschaften: „Tierhaltung braucht Planungssicherheit und Förderinstrumente, die wirklich in der betrieblichen Realität ankommen. Unsere Agrargenossenschaften sind bereit, in die Zukunft zu investieren – dafür brauchen sie klare und verlässliche politische Rahmenbedingungen.“
Große Bedeutung kam zudem dem Thema Bürokratieabbau zu. Die Vertreter der Agrargenossenschaften brachten konkrete Anregungen für eine spürbare Entlastung der Betriebe ein. Ziel ist es, unnötige Dokumentations‑ und Kontrollpflichten zu reduzieren, Förderverfahren zu vereinfachen und die Umsetzung agrarpolitischer Vorgaben wieder stärker an der Praxis auszurichten.
Das Gespräch hat deutlich gemacht: Freistaat Sachsen, Agrargenossenschaften und Genoverband ziehen an einem Strang, wenn es darum geht, die Landwirtschaft zukunftsfest, leistungsfähig und regional verankert weiterzuentwickeln. Der enge Dialog soll fortgeführt und in konkreten gemeinsamen Positionen und Initiativen auf Landes‑, Bundes‑ und EU‑Ebene weiter vertieft werden.