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Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende

  • 03.02.2026
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Beim Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende kamen rund 250 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft und dem genossenschaftlichen Verbund zusammen. Diskutiert wurden die herausfordernden Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der Energiewende in Deutschland, aber auch gezeigt, wie viel Innovation sich bereits in der Praxis beweist.

Sieger der Innovationsschau: Solarwärme Bracht eG

Die Solarwärme Bracht eG setzt ein wegweisendes Wärmenetz um – basierend auf Solarthermie, Saisonalspeichern, Wärmepumpen und Biomasse. Das Ergebnis:
eine vollständig fossilfreie Wärmeversorgung, die zeigt, wie die Wärmewende praktisch gelingen kann.

Die Finanzierung des 16,5 Millionen-Euro Projekts gelang durch eine Kombination aus Fördermitteln, KfW-Programmen und regionalen Bankkrediten. Gerade genossenschaftliche Banken zeigen dabei ihre Stärke: Nähe, Expertise und die Fähigkeit, regionale Risiken realistisch einzuschätzen. Mit fast 200 Mitgliedern zeigt die Solarwärme Bracht eG, wie stark Bürgerenergie werden kann, wenn Menschen vor Ort Eigentümer der Energiewende sind.

Diese Innovationskraft wurde beim Bundeskongress des DGRV belohnt und nach Vorstellung und Abstimmung des Publikums mit dem Innovationspreis 2026 ausgezeichnet.

Nahwärmenetze: Erfolgsmodell für die kommunale Wärmewende

Neben den Debatten rund um Strom gewinnen Nahwärmenetze rasant an Bedeutung. Die kommunale Wärmeplanung muss 2026 - 2028 abgeschlossen sein und stellt viele Kommunen vor große Herausforderungen: Sie müssen klimafreundlich, bezahlbar und effizient umstellen. Dass dies möglich ist, zeigen regionale Leuchtturmprojekte.

Die Strom-Branche wartet auf zentrale Gesetzesreformen

Die Energiewende steht politisch vor großen Herausforderungen. Mit der Erwartung auf eine Novellierung des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG), des Gebäudemodernisierungsgesetzes (das sogenannte Heizungsgesetz) und die von Wirtschaftsministerin Reiche angekündigte Kraftwerksstrategie blickt die Energiebranche sorgenvoll in die Zukunft.

Beim Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende werden deshalb klare Botschaften an die Politik gesendet:

  • Investitions- und Planungssicherheit sind durch aktuelle Debatten gefährdet. Debatten um Kundenanlagen, die erwartete EEG‑Reform und unklare Strompreismechanismen sorgen für Unsicherheit und stellen manche für Energiegenossenschaften vor existenzielle Fragen. Strompreise zeigen schon jetzt die Tendenz in die negativen Zahlen und deren Berechnung kaum jemand nachvollziehen kann. Es wird bereits geflüstert, dass für die Stromeinspeisung vielleicht irgendwann gezahlt werden muss. Umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam Transparenz in der Vergabe von Netzzugängen fordern. Der Netzausbau muss vorangetrieben werden.
  • Dezentrale Strukturen erhöhen Resilienz. Durch den Ukrainekrieg haben wir lernen müssen, wie verwundbar Deutschland durch die Abhängigkeiten zu Oligopolen ist und verstanden, wie wir in Alternativen investieren können. Genossenschaften spielen eine Rolle, wenn es darum geht, die Transformation regional zu verankern, Akzeptanz zu stärken und nachhaltige Lösungen umzusetzen. Sie machen das Energiesystem unabhängiger und schützen kritische Infrastruktur – ein Aspekt, der politisch stärker gewürdigt werden muss.
  • Genossenschaften stärken Akzeptanz. Ihre demokratische Organisation schafft Vertrauen vor Ort. Um ihr Potenzial voll auszuschöpfen, braucht es den Abbau regulatorischer Hemmnisse – etwa die Streichung des Doppelförderungsverbots in der Bundesförderung effizienter Wärmenetze (BEW). Die kommunale Wärmewende kann mit Genossenschaften zu großen Teilen über privates Kapital gestemmt werden, wenn Hemmnisse wie diese wieder abgeschafft werden.
  • Rahmenbedingungen müssen modernisiert werden. Der Koalitionsvertrag enthält klare Zusagen für die Energiewende – ein Jahr nach Start der Bundesregierung braucht es nun Entscheidungen, damit Investitionen nicht ins Stocken geraten.
  • Politische Aufmerksamkeit ist vorhanden, doch Entscheidungen fehlen. Mit EEG‑Novelle, Gebäudemodernisierungsgesetz und Kraftwerksstrategie stehen wegweisende Beschlüsse an. Die Branche braucht Klarheit und verlässliche Grundlagen.

In dem sich anschließenden Jahresempfang des DGRV und GdW eröffnete Gitta Connemann, Staatssekretärin des Wirtschaftsministeriums und versicherte den Anwesenden, dass Genossenschaften nicht nur ihre Aufmerksamkeit zu erhalten, sondern auch einen Platz in ihrem Herzen zu haben.

Sprechen Sie hierzu gerne an:

Nora Vehling

Referentin für Politik und Kommunikation

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