- 03.02.2026
- Politische News
Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende
Der Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende zeigt: Innovation ist da, jetzt braucht es klare Entscheidungen.
WeiterlesenWährend die Energieproduktion in Deutschland längst dezentral organisiert ist – auf Dächern, Feldern, in Betrieben und auf See –, bleibt die Verteilung weiterhin stark zentralisiert. Wenige Netzknoten versorgen riesige Gebiete. Dieses Modell stammt aus einer Zeit, in der Energie zentral erzeugt und über wenige große Akteure verteilt wurde.
Heute aber gilt: Erzeugung ist dezentral. Verbrauch ist lokal. Speicher sind rudimentär und dezentral verteilt und werden noch zu wenig netzdienlich genutzt, obwohl es möglich wäre. Energieflüsse sind volatil.
Ein zentral gesteuertes Netz bildet diese Realität der Energiewelt nicht mehr zuverlässig ab. Der Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 war nicht nur eine technische Störung als Folge eines Anschlags, sondern zeigte sich, als Stresstest für die Energieinfrastruktur einer Millionenstadt – und er hat gezeigt, wie verletzlich zentral organisierte Systeme geworden sind.
Strom und Wärme sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne Strom fallen Heizungen, Pumpen, digitale Steuerungen und Teile der Kommunikation aus. In urbanen Quartieren mit komplexer Gebäudetechnik bedeutet das: Wärmeversorgung ist, ohne eine robuste Stromversorgung nicht stabil zu gewährleisten. Jedoch kann Dezentralität einen positiven Einfluss darauf haben, sich in keine großen Abhängigkeiten zu begeben. Teilbereiche können abgekoppelt oder zugeschaltet werden, wenn ein Netz darauf konzipiert ist, aus mehreren Quellen gespeist zu werden. Gemeinschaftliche Lösungen erhöhen Handlungsspielräume und Resilienz.
Die Diskurse um die Sicherheit kritischer Infrastruktur und was wir von dem Blackout in Berlin lernen können, gehen in verschiedene Richtungen. Braucht es mehr Sicherheit durch mehr Kontrolle, andere Energiequellen oder Flexibilität und Dezentralität?
Genossenschaften, Quartierslösungen und kombinierte Strom‑Wärme‑Modelle bieten genau das, was zentrale Systeme nicht leisten können: Redundanz, Nähe, Flexibilität und gemeinschaftliche Verantwortung.
Sie ermöglichen:
Resilienz entsteht dort, wo Menschen Verantwortung teilen – nicht dort, wo alles an wenigen Knoten hängt.
Die Programme der Wärme‑ und Energiewende fokussieren bislang vor allem auf Klimaziele und Kosten. Der Blackout hat jedoch deutlich gemacht: Resilienz und Versorgungssicherheit müssen als eigenständige Zielgrößen verankert werden – in Förderprogrammen, Genehmigungsverfahren und in der Planung neuer Quartiere und Netze. Aus Sicht des Genossenschaftsverbands sind fünf Schritte zentral:
1. Resilienz als Förderkriterium verankern
Förderprogramme der Wärme‑ und Energiewende müssen künftig nicht nur CO₂‑Einsparungen bewerten, sondern auch Versorgungssicherheit, Notfallfähigkeit und die Fähigkeit zum Inselbetrieb. Resilienz muss ein eigenes Förderkriterium werden – nicht ein zufälliges Nebenprodukt.
2. Genossenschaftliche Quartierslösungen gezielt unterstützen
Länder sollten Projekte bevorzugt fördern, die lokale Erzeugung, Speicher und quartiersnahe Wärmeversorgung in einem integrierten Modell verbinden. Gerade in dicht besiedelten Stadtteilen können Bürgerenergieprojekte Versorgungssicherheit deutlich erhöhen.
3. Genehmigungen vereinfachen
Der Aufbau dezentraler Infrastruktur scheitert oft an Bürokratie. Einige Länder arbeiten daran schon aktiv. Wichtig sind schnellere Verfahren, klare technische Standards, weniger Hürden für Speicher, PV, KWK und Notstromkonzepte. Wer Resilienz im Energienetz will, muss Genehmigungen beschleunigen.
4. Krisenkoordination neu denken
Bürgerenergiegesellschaften müssen als Partner in die städtische Krisenplanung eingebunden werden. Sie kennen ihre Quartiere, ihre Mitglieder, ihre technischen Anlagen. Im Ernstfall können sie schneller reagieren als zentrale Stellen – und damit Versorgungslücken schließen, bevor sie kritisch werden.
5. Investitionen in Redundanz ermöglichen
Redundanz ist kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Versorgungssicherheit. Länder sollten deshalb in Speicher, Notstromfähigkeit und lokale Wärmenetze investieren und derartige Bürgerenergiegesellschaften gezielt finanziell unterstützen. Jede zusätzliche Redundanz erhöht die Sicherheit für alle.
Der Berliner Blackout war eine Tragödie für viele tausend Manschen – und zugleich ein Weckruf. Genossenschaftliche Modelle bieten genau die Strukturen, die ein modernes Energiesystem braucht: lokal, flexibel, widerstandsfähig und getragen von Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen.
Wenn Deutschland seine Energiezukunft resilient gestalten will, führt kein Weg daran vorbei, gemeinschaftliche Lösungen systematisch zu stärken. Genossenschaften bieten dafür erprobte, sozial verankerte und technisch robuste Modelle.
Referentin für Politik und Kommunikation
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