Die Grüne Woche 2026 bot dem Genoverband eine bedeutende Plattform, um agrarpolitische Positionen sichtbar zu machen und über die anstehenden Herausforderungen der Branche zu diskutieren. Bereits bei der Eröffnung der Messe wurde deutlich: Die Erwartungen an verlässliche politische Rahmenbedingungen und eine stabil ausgerichtete europäische Agrarpolitik sind hoch. Der Genoverband nutzte diese Sichtbarkeit, um im direkten Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Ministerien die Bedeutung der Genossenschaften für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum zu unterstreichen. Zudem betonte er die Notwendigkeit, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, Regulatorik und Berichtspflichten zu reduzieren und Infrastruktur auszubauen.
Starker Auftritt der genossenschaftlichen Organisation: Gemeinsam WIR!
Drehscheibe des politischen Dialogs auf dem Erlebnisbauernhof war der Gemeinschaftsstand des Deutschen Raiffeisenverbandes. Hier fanden intensive Begegnungen und politische Diskussionen zwischen Dr. Andreas Eisen, Agrarexperte des Genoverbandes, und Colette Boos-John, Ministerin für Wirtschaft, Landwirtschaft und ländlichen Raum Thüringen, Cornelia Schmachtenberg, Landwirtschaftsministerin Schleswig-Holstein und Dr. Till Backhaus, Landwirtschaftsminister Mecklenburg-Vorpommern, statt, die der Genoverband in den kommenden Wochen in „Politik trifft Praxis“ Terminen vertiefen wird.
Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Klares Votum gegenüber Kappung und Degression!
Ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Gespräche – auch in der Sachsenhalle mit Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch und Staatssekretär Ulrich Menke, die gemeinsam mit DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp sowie Hauptgeschäftsführer Jörg Migende und Geschäftsführer Philipp Spinne durchgeführt wurden –, war die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028.
Die Vorschläge der EU-Kommission zur Kappung und Degression wurden in allen Gesprächen klar abgelehnt. Dies unterstützt die „Berliner Erklärung“ der ostdeutschen Agrarminister und Bauernverbände. Es wurde in den Gesprächen deutlich gemacht, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen insbesondere in Ostdeutschland gravierende Strukturbrüche auslösen würden. Die Folgen wären weitreichend: Gefährdung der wirtschaftlichen Stabilität vieler Agrargenossenschaften, Einschränkungen in der Tierproduktion und anderen kostenintensiven Betriebszweigen mit deutlich negativen
Folgen für den ländlichen Raum. Es konnte deutlich gemacht werden, dass bei Agrargenossenschaften auch immer das einzelne aktive Mitglied im Fokus der Politik sein muss.
Bemerkenswert war die einhellige Ablehnung von Kappung und Degression auch von Politikerinnen und Politikern aus westdeutschen Bundesländern. So auch im Gespräch mit dem hessischen Staatssekretär Michael Ruhl, in dem deutlich wurde, dass dies auch ein Hemmnis für Kooperationen in der Landwirtschaft zur gemeinsamen Gestaltung des Strukturwandels wäre. Der Genoverband verdeutlichte, dass solche Eingriffe weder ökonomisch sinnvoll noch agrarstrukturell tragfähig seien und sich negativ auf die regionale Beschäftigung und Entwicklung des ländlichen Raums auswirken würden. Erneut betonte der Verband die Notwendigkeit, die Förderung junger Landwirtinnen und Landwirte in Agrargenossenschaften auszubauen, wie sie auch in der Berliner Erklärung der ostdeutschen Landwirtschaftsminister gefordert wird.
Genossenschaften stehen für Selbstbestimmung, Unternehmertum und Kooperation!
Ein klares Bekenntnis zu Marktwirtschaft und der Verantwortung genossenschaftlicher Unternehmen prägte die Gespräche. Weitreichend einig war man sich über die Notwendigkeit der Reduzierung regulatorischer Eingriffe. Die geplante Verschärfung der Artikel 148 und 168 GMO ist genau das Gegenteil. Sie führe zu Einkommensverlusten für die Landwirte, Marktverzerrungen und einer Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Die Kritik der Genossenschaften richtet sich vor allem gegen Eingriffe in die Vertrags- und Satzungsautonomie genossenschaftlicher Unternehmen. Verpflichtende Produktionskostenklauseln, starre Revisionsmechanismen und eine Abkehr von marktwirtschaftlichen Prinzipien würden zusätzliche Bürokratie schaffen, Rechtsunsicherheiten erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen.
Besonders sichtbar wurde bei der Grünen Woche der geschlossene Auftritt der genossenschaftlichen Organisation. Der Deutsche Raiffeisenverband, der Genoverband und weitere Regionalverbände sowie zahlreiche genossenschaftliche Unternehmen wie Agravis und Westfleisch traten medienwirksam in den politischen Dialog. Neben öffentlichen stark diskutierten Themen, wie dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz, konnten auch praktische und für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Lebensmittelversorgung wichtige Themen angesprochen werden – wie etwa der Ausbau der Straßeninfrastruktur und weitere Logistikthemen bis hin zur Zulassung großer LKW.
Was macht die Milch?
Der Nordwestdeutsche Milchtreff 2026, der traditionell einen wichtigen Treffpunkt für Erzeuger, Molkereien und Branchenexperten bildet, war ein gelungener Abschluss der Milchtage der Grünen Woche. Mit der Unterstützung dieser Veranstaltung unterstreicht der Genoverband nicht nur seine enge Verbindung zur Milchwirtschaft, sondern auch, wie wichtig ihm der Dialog mit der Praxis und die Begleitung strategischer Branchenentwicklung ist. Auch hier standen die Themen Art. 148 GMO und Tierhaltungskennzeichnungsgesetz im Fokus. Bei Letzterem herrscht Einigkeit, dass das Gesetz praxistauglich und unter Einbeziehung der etablierten privatwirtschaftlichen Initiativen weiterentwickelt werden müsse.
Auch im Branchendialog zur Milch wurde die Bedeutung von Stabilität und Verlässlichkeit sehr deutlich. Die Gespräche auf der Grünen Woche machten sichtbar, wie stark die Molkereiwirtschaft zwischen Marktveränderungen, geopolitischen Unsicherheiten und steigenden gesellschaftlichen Erwartungen steht. Zugleich zeigte sich, dass Themen wie Preisabsicherung oder strukturelle Weiterentwicklungen – etwa durch Fusionen, wie sie am Beispiel Arla angesprochen wurden – weiterhin hohe Relevanz besitzen. Die gleichzeitige Diskrepanz zwischen hohen Tierwohlansprüchen der Verbraucherinnen und Verbraucher und begrenzter Bereitschaft, dieses Verhalten auch im Alltag durch höhere Preise zu tragen, prägte das Stimmungsbild vieler Gespräche.
Viele dieser Themen werden wir in unserer GenoConnect Milch am 11./12. Februar in der Panel-Diskussion „Molkereien Morgen…“ wieder aufgreifen.
Gemeinsam WIR! und Das WIR ist unsere Stärke!
Die Claims des Genoverbandes und des Deutschen Raiffeisenverband könnten den Wert der zahlreichen Netzwerkveranstaltungen der Grünen Woche nicht besser ausdrücken. Es bestätigt sich einmal mehr, welche Bedeutung persönliche Gespräche für das Funktionieren agrarpolitischer und wirtschaftlicher Kooperationen haben. Ob beim Schleswig-Holstein-Abend, beim Niedersachsenabend, beim Brandenburg- oder Sachsenabend, bei der Raiffeisen City Night oder beim Zukunftsforum Landwirtschaft – die Atmosphäre solcher Abende erlaubt es, Themen jenseits formaler Gesprächsformate anzusprechen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Netzwerke zu vertiefen.
Bewusst unterstützt der Genoverband verschiedene Formate, darunter etwa der Niedersachsenabend, das Zukunftsforum Landwirtschaft und den Schleswig-Holstein-Abend, und verdeutlicht damit seine Rolle als aktiver, verlässlicher Partner im agrarpolitischen Umfeld.