Politische Positionen

Geldautomatensprengungen: Genossenschaftsbanken investieren in sichere Bargeldversorgung

  • 23.08.2023
  • Politische Positionen
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2022 haben die Angriffe auf Geldausgabeautomaten einen traurigen Höchstwert erreicht. 496 Sprengungen gab es laut Lagebild des BKA bundesweit, was einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von 27 Prozent bedeutet. Für 2023 zeichnet sich aktuell eine ähnliche Situation ab.

Nicht nur die Häufigkeit der Sprengungen nimmt zu, sondern auch die Intensität. Denn die zunehmende Nutzung hochgefährlicher Sprengstoffe birgt erhebliche Gefahren für die körperliche Unversehrtheit und das Leben unbeteiligter Dritter. Hinzu kommen Beute- und Sachschäden sowie Ausfallkosten in Millionenhöhe.

Dabei sind Bundesländer mit Grenznähe zu den Niederlanden besonders häufig betroffen. Trotz teilweise massiver Investitionen in Sicherungsmaßnahmen werden vor allem Automaten von Banken und Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz angegriffen.

Zusammenarbeit mit Polizei und Politik

Ausgeübt werden die Angriffe von hoch professionalisierten Täter*innen, die der organisierten Kriminalität zugeordnet werden. Erfolgreiche Prävention und Bekämpfung kann daher nur im Schulterschluss von Kriminalbehörden, Politik und Banken gelingen.

Beim „Runden Tisch Geldautomatensprengungen“ am 8. November 2022 haben sich auf Bundesebene betroffene Behörden und die Privatwirtschaft auf eine gemeinsame Erklärung verständigt. Diese sieht vor, dass deutsche Banken und Sparkassen den Ausbau von präventiven Maßnahmen an erkannten Risikostandorten von Geldautomaten vornehmen. Die gemeinsame Erklärung ist nach wie vor handlungsleitend und Fortschritte werden regelmäßig in weiteren Runden Tischen diskutiert.

Einige Bundesländer sind darüber hinaus seit Jahren aktiv und setzen auf gemeinsame Anstrengungen und enge Zusammenarbeit im regionalen Rahmen. So begegnet beispielsweise NRW dem Problem mit dem Projekt "BEGAS" (Bekämpfung von Geldautomatensprengungen), das 2022 von Innenminister Herbert Reul initiiert wurde, durch das Zusammenwirken von Prävention, Repression, Öffentlichkeitsarbeit, nationaler Vernetzung und internationaler Zusammenarbeit. In Hessen wurde die „Allianz Geldautomaten“ gegründet, in der LKA, Innenministerium sowie Vertreterinnen und Vertreter der Banken und Sparkassen gemeinsam Wissen austauschen und Präventivstrategien entwickeln. In Rheinland-Pfalz wurde 2023 eine ganz ähnliche Kooperationsvereinbarung getroffen.

Maßnahmen der Genossenschaftsbanken

Für die Institute der Genossenschaftlichen FinanzGruppe hat die Sicherheit der Geldausgabeautomaten hohe Priorität. Sie setzen die in Zusammenarbeit mit der Polizei entwickelten Präventionsmaßnahmen – z. B. Nachtverschluss des Selbstbedienungs-Foyers, qualifizierte Einbruchmeldetechnik, mechanische Schutzmaßnahmen, Reduktion des Bargeldhöchstbestands, Videoüberwachung, Einsatz von Einfärbesystemen – um und sind kontinuierlich dabei, die Sicherheitsmaßnahmen noch weiter auszubauen.

Eine eigens unter den Mitgliedsbanken des Genossenschaftsverbandes durchgeführte Umfrage (n = 287) hat bestätigt, dass die Volks- und Raiffeisenbanken sich als Teil einer Verantwortungsgemeinschaft sehen und bereit sind, sich dem Problem gemeinsam zu stellen. Auf die Frage, welche Entwicklung am ehesten zu einem signifikanten Rückgang der Überfälle auf Geldautomaten führt, hebt etwa die Hälfte (53 %) die Erhöhung der Sicherungsmaßnahmen an Geldautomaten hervor. Weitere Hebel sehen die Banken unter anderem in der Reduzierung des Bargelds durch mehr digitalen Zahlungsverkehr (27 %) sowie eine konsequente und erfolgreiche Strafverfolgung durch die Polizei.

Flankiert werden die Bestrebungen der Banken durch intensive Verbandsarbeit auf allen Ebenen. Der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e. V. macht Geldautomatensprengungen deshalb zu einem Fokusthema. In diesem Jahr fanden bereits Round Tables mit Banken aus Niedersachsen und NRW statt. Darüber hinaus wird Geldautomatensicherheit intensiv in den Gremien behandelt und in Zusammenarbeit mit dem BVR und anderen Regionalverbänden in der politischen Interessenvertretung bearbeitet. Der Verband hat diesbezüglich eine „Task-Force“ gegründet, um Ressourcen zu bündeln und Know-how bestmöglich einzusetzen.

Positionen des Verbandes im Überblick

  • Wenn es um die Sicherheit von Geldautomaten geht, sind die Volks- und Raiffeisenbanken Teil einer Verantwortungsgemeinschaft mit Politik und Polizei.
  • Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen vor der Herausforderung, die Erfordernisse der Automatensicherheit – und damit auch den Schutz der Mitarbeiter*innen aber auch der Anwohner*innen – mit den Interessen ihrer Mitglieder an einer angemessenen ortsnahen Bargeldversorgung in Einklang zu bringen. Sie sind sich ihrer doppelten Verantwortung bewusst. Holzschnittartige und simplifizierende Lösungsvorschläge helfen dabei nicht.
  • Gleichzeitig muss auch ein wirtschaftlicher Betrieb der Geldautomaten möglich sein.
  • Eine gesetzliche Verpflichtung zur Umsetzung von einheitlichen Präventions-maßnahmen führt nicht automatisch zur Reduktion der Fallzahlen. Für den Fall gesetzlicher Verpflichtungen sollte die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen auf sogenannte Risikostandorte beschränkt und eine angemessene Übergangsfrist vereinbart werden.
  • Es gibt nicht die eine Sicherungsmaßnahme, die ein Garant für die Verhinderung von Sprengangriffen ist. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass einheitliche, standardisierte Sicherungsvorgaben auch zu einem standardisierten Vorgehen der Täter*innen führt. Vielmehr kommt es auf eine sinnvolle, auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmte Kombination von Schutz- und Überwachungsmaßnahmen an, die eine erfolgreiche Sprengung und Flucht erschweren und so den Tatanreiz verringern. Grundsätzlich müssen Sicherungsmaßnahmen zum Geldautomaten-Standort passen und sind stetig individuell anzupassen. Hier ist die jeweilige Bank auf die Risikobewertung der Polizeibehörden angewiesen.
  • Die Bekämpfung von Kriminalität ist und bleibt Aufgabe der Polizeibehörden. Entsprechend müssen staatliche Sicherheitsbehörden Verantwortung für den Ausbau der eigenen Bekämpfungsmaßnahmen übernehmen – mit Blick auf die häufig insbesondere aus den Niederlanden einreisenden Täter*innen auch grenzüberschreitend.

Ansprechpartner

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Carsten Waldhelm

Regionalleiter
Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen Nord/Mitte, Regierungsbezirke Münster, Arnsberg, Düsseldorf, Köln

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