Mit einem Kredit-Plus von 4 Prozent auf 346,3 Mrd. Euro erweisen sich die dem Genoverband angehörenden Volks- und Raiffeisenbanken in 14 Bundesländern* 2025 als Wachstumsmotor. Überdurchschnittlichen Anteil daran haben die privaten Immobilienfinanzierungen, deren Plus sich mit 4,3 % gegenüber dem Vorjahr (+1,9 %) mehr als verdoppelt. Von einem dynamischen Kundengeschäft zeugt auch der Einlagenzuwachs von 3,2 % auf 375,6 Mrd. Euro. Die aggregierte Bilanzsumme im Verbandsgebiet legt im Zuge dieser Entwicklung um 2,7 % zu und überschreitet erstmals die Grenze einer halben Billion Euro (507,8 Mrd. Euro). Auch bedingt durch 11 Fusionen steigt die durchschnittliche Bilanzsumme der 264 Mitgliedsbanken um 7 % auf über 1,9 Mrd. Euro.
„Das Geschäftsjahr 2025 hat einmal mehr gezeigt, dass Kreditgenossenschaften mit ihrem realwirtschaftlichen Geschäftsmodell hervorragend in der Lage sind, die unterschiedlichen Bedarfsstrukturen in ihren regionalen und lokalen Märkten abzudecken. Die kontinuierliche Strukturveränderung ist dabei Teil eines permanenten Prozesses zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit in der FinanzGruppe“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende Michael Hoeck. „Dabei kommt den Volks- und Raiffeisenbanken zugute, dass über die demokratische Unternehmensverfassung die Bindung an den Mitgliederwillen und die Region immer gewährleistet ist.“
„Plus bei privaten Immobilienfinanzierungen ist eine Schwalbe, bedeutet aber keinen Sommer“
Bei den Krediten wachsen die langfristigen Finanzierungen mit einem Zeithorizont von über fünf Jahren überdurchschnittlich um 4,8 %. Ihr Anteil an den gesamten Finanzierungen steigt binnen Jahresfrist von 88,5 % auf 89,2 %. „In einer von konjunkturellen Unsicherheiten, dem Wandel von Rahmenbedingungen nach den Neuwahlen und zunehmenden geopolitischen Umbrüchen gekennzeichneten Phase, entsprechen unsere Mitgliedsbanken dem Bedürfnis nach mehr Planungssicherheit“, ordnet Hoeck ein. „So geben sie ihren Kundinnen und Kunden Stabilität in der Veränderung. Das ist nicht zuletzt bei den Immobilienfinanzierungen der Fall, wo die bei weitem überwiegende Zinsbindungsfrist bei 10 Jahren liegt.“ Im Jahresverlauf hat sich das Wachstum der Immobilienfinanzierungen auf 4,3 % beschleunigt, nachdem es bis zur Jahresmitte 1,9 % erreichte. „Das ist eine Schwalbe, bedeutet aber noch keinen Sommer“, betont Hoeck. „Aktuell sehen wir vor allem Nachlaufeffekte, weil viele zuvor noch abwartende potenzielle Käufer keine durchgreifende Verbesserung der Finanzierungsbedingungen mehr erwarten, sich zugleich die Immobilienpreise wieder erholen und die Mieten immer teurer werden. Die Finanzierungen fließen vor allem in Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben bei Bestandsimmobilien. Für eine spürbare Entlastung am Wohnungsmarkt muss sich der Neubau deutlich stärker beleben, mithin durch den Bau-Turbo wieder für mehr Haushalte erschwinglich werden. Besonders in Städten könnte hier das genossenschaftliche Bauen Chancen für mehr Wohnraum eröffnen.“
Finanzierung von Energiegenossenschaften kann Energiewende voranbringen
Stärkste Einzelbranche im gewerblichen Kreditgeschäft sind die Wohnungsunternehmen – die auf sie entfallenden Finanzierungen sind im vergangenen Jahr um 11 % gewachsen. Zweitplatzierter im Brancheranking ist das Baugewerbe, wo bei den Finanzierungen aber ein Rückgang von 4,3 % zu Buche schlägt. Mit 13,4 % (2024: 11,2 %) legen die Finanzierungen im Infrastrukturbereich am stärksten zu, zu dem auch der Energiesektor zählt. Hoeck sieht für die Volks- und Raiffeisenbanken „sehr gute Geschäftschancen als Initiator und Finanzierer von Energiegenossenschaften: Im Zusammenhang mit den kommunalen Wärmeplanungen und dem neuen Heizungsgesetz, dessen Grundzüge jetzt die Koalitionsfraktionen vorgelegt haben, können sie einen entscheidenden Beitrag leisten, dass die dafür benötigten Erneuerbaren Energien auch ausreichend zur Verfügung stehen. Über die Volks- und Raiffeisenbanken kann es auch gelingen, regionale Energieversorger und Stadtwerke einzubinden. Damit wird es möglich die Energie dort zu produzieren, wo sie auch genutzt wird und so Wertschöpfung in der Region zu halten“, zeigt sich der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands überzeugt. „Mit Energiegenossenschaften wird ein wesentlicher Beitrag zur Akzeptanz vor Ort geleistet, z.B. für Windräder. Leider hat das Bundeswirtschaftsministerium kürzlich einen Referentenentwurf vorgelegt, der Bürgerenergie zu Gunsten einzelner großer Energieversorger benachteiligt. Das darf so nicht umgesetzt werden.“
Kundeneinlagen: „Keine Risiken einzugehen ist sicherster Weg, um Geld zu verlieren“
Die wichtigste Refinanzierungsquelle für die Kreditvergabe bleiben die Kundeneinlagen. Während es bei den Krediten über 68 % sind, beträgt ihr Anteil an der Bilanzsumme per Ende 2025 74 %. Das Einlagenwachstum resultiert fast ausschließlich aus dem Plus der täglichen fälligen Gelder von 6,1 % auf 242,8 Mrd. Euro. Deren Anteil am Gesamtvolumen der bilanzwirksamen Kundengelder steigt von 62,9 % auf 64,6 %. „Viele Kundinnen und Kunden setzen also auf Sicherheit und Verfügbarkeit und nehmen so – ob bewusst oder unbewusst – Abstriche bei der Rentabilität in Kauf“, analysiert Hoeck. „Ein echter Vermögensaufbau ist nur mit der Anlage am Kapitalmarkt zu erreichen. So paradox es klingt: Keine Risiken einzugehen, ist zurzeit der sicherste Weg, um Geld zu verlieren. Unser Job ist es, die Menschen dahin zu beraten, dass sie die Inflation schlagen können. Es gilt, das Risiko beherrschbar machen und gleichzeitig attraktive Renditen erzielen – bei entsprechend langfristigen Haltezeiträumen ist das möglich.“ Auch der vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf für ein Altersvorsorgereformgesetz und die geplante Einführung der Frühstart-Rente können wichtige Impulse für die Geldanlage mit Aktien und Fonds geben.
Betriebsergebnis steigt – Eigenkapital wird gestärkt
Das Betriebsergebnis vor Bewertung in Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme (dBS) steigt laut der Vorschaurechnung des Genoverbands von 1,06 % auf 1,08 % - in absoluten Zahlen sind das 5,4 Mrd. Euro. Das ist ein Plus von 4,6 %. Trotz des Insolvenzgeschehens sowie der Schwankungen an den Wertpapiermärkten erwarten wir aktuell in der Vorschaurechnung mit - 0,21 % der dBS (2024 = - 0,18 %) ein in etwa konstant bleibendes Bewertungsergebnis. „Die Mitgliedsbanken haben sich als Teil einer der profitabelsten und kapitalstärksten Bankengruppen Europas unter herausfordernden Bedingungen gut behauptet“, zieht Michael Hoeck einen Strich unter das Geschäftsjahr 2025. „Die Banken steuern ihr Geschäft mit kaufmännischer Vorsicht: Jedes Institut überwacht genau, wie sich sein Kredit- und Wertpapierportfolio entwickelt. Die Risiken werden zeitnah bewertet und bewegen sich in einer überschaubaren Größenordnung. Ihr Eigenkapital haben sie 2025 weiter gestärkt, es steht in einer angemessenen Relation zu Volumen und Struktur der Geschäfte sowie zu Risiko und Ertrag.“ Die Quote für das bilanzielle Eigenkapital inkl. des Fonds für allgemeine Bankrisiken steigt von 9,9 % auf 10,3 %.
Flächendeckende Präsenz: „Volks- und Raiffeisenbanken prägen und formen Regionen“
Mit 3.168 personenbesetzten Bankstellen (2024: 3.190) und 62.438 Mitarbeitenden (2024: 60.567) in 14 Bundesländern unterhalten die Mitgliedsbanken des Genoverbands per Ende 2025 eine flächendeckende Präsenz vor Ort. „Dass die Zahl der Beschäftigten im Jahr 2025 um 1.871 zunimmt, zeigt, dass diese Präsenz personell ein starkes Fundament hat“, unterstreicht Hoeck. „Die stationäre Infrastruktur wird ergänzt durch digitale Kanäle: Vor allem das Smartphone wird zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr: Für die Volksbanken und Raiffeisenbanken kommt es darauf an, ihren Kunden Wahlfreiheit zu bieten, so dass sie ihre Finanzangelegenheiten auf dem von ihnen bevorzugten Kanal erledigen können. 2025 war das von den Vereinten Nationen ausgerufene „Internationale Jahr der Genossenschaften“. Für Hoeck sind „die Volks- und Raiffeisenbanken mit ihrer Aufstellung ein gutes Beispiel dafür, wie Genossenschaften die Regionen, in denen sie wirken, prägen und formen können.“
*Dem Genoverband gehören daneben auch bedeutende Sonderinstitute wie Kirchenbanken sowie die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG an, deren Entwicklung im individuellen Kontext der jeweiligen Märkte steht. Beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken – BVR sind in den Zahlen für alle Genossenschaftsbanken auch solche Sonderinstitute sowie die Sparda- und PSD-Banken enthalten. Die Geschäftsentwicklung der deutschen Genossenschaftsbanken im Jahr 2025 wird der BVR auf seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag, 10. März 2026, vorstellen.