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NRW-Bankentag: Kreditwirtschaft in Nordrhein-Westfalen - Transformation gemeinsam gestalten

  • 28.03.2023
  • Pressemitteilungen
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Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Kreditwirtschaft ruft anlässlich des dritten Bankentages NRW zu einer gemeinschaftlichen Kraft-Anstrengung auf, um den enormen Finanzierungsbedarf bei der nachhaltigen und digitalen Transformation der nordrhein-westfälischen Wirtschaft zu bewältigen. Der Bankenverband NRW, der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen und die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände betonten ihre Entschlossenheit, ihren Beitrag dazu zu leisten. Sie machten allerdings deutlich, dass dazu auch eine Optimierung der Rahmenbedingungen gehöre.

Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen sagte: „Unser Ziel ist es, Nordrhein-Westfalen zur ersten klimaneutralen Industrieregion Europas zu machen. Dafür brauchen wir gute Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen. Der Erfolg unserer stark mittelständisch geprägten Wirtschaft hängt auch davon ab, dass sie solide und vielfältige Finanzierungsmöglichkeiten erhält. Dafür sind die Unternehmen auf die Unterstützung der nordrhein-westfälischen Banken angewiesen.“

Die Transformation zu einer klimaneutralen und digitalisierten Wirtschaft erfordert einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der vier Verbände zufolge, jährlich Finanzmittel von bis zu 70 Mrd. Euro. Damit der Umbau der Wirtschaft gelinge, müssten die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Unternehmen und Kreditinstitute in die Lage zu versetzen, entsprechende Investitionen stemmen beziehungsweise finanzieren zu können, betonen die Spitzenvertreterinnen und -vertreter der Verbände am Dienstag in Düsseldorf.

„Es wird den Schulterschluss aller Beteiligten geben müssen, um Volumina in den beschriebenen Dimensionen bewegen zu können. Bei diesem Schulterschluss müssen Gesetzgeber, Bankenaufsicht, Förderbanken und Hausbanken wie ein fein abgestimmtes Räderwerk funktionieren, damit mehr Kapital für die Transformationsfinanzierung freigesetzt werden kann“, so Jürgen Wannhoff, Vize-Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL). Es sei Zeit für einen Transformationsgipfel in NRW, um das Bewusstsein für Transformation zu erneuern und neue Bündnisse zu schaffen.

Michael Breuer, Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV) unterstrich, dass die in den vergangenen drei Krisen-Jahren in NRW gefundenen Strukturen der Zusammenarbeit weiter genutzt werden sollten: „Mit dem Ausbruch der Corona-Krise sind wir in NRW zusammengedrückt und haben schnell und unkompliziert eine Taskforce gegründet, in der alle relevanten Akteure reibungslos und vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Es wäre deshalb geradezu töricht, würden wir jetzt bei der anstehenden Herkules-Aufgabe der Transformation, insbesondere bei der Frage ihrer Finanzierung, diese in krisenhaften Zeiten gewachsenen Strukturen nicht weiter nutzen.“

Thomas Buschmann, Vorsitzender des Bankenverbandes Nordrhein-Westfalen, betonte die Vorteile, die die Transformation den Unternehmen neben mehr Innovation und Wettbewerbsfähigkeit bringe: Kostenreduktion, eine Vorreiter-Rolle im Bereich des Umweltschutzes und ein positives Image, zudem mehr Resilienz gegen Krisen und Schutz vor Reputationsrisiken. Allerdings müsse die Politik jetzt mehr Tempo bei Infrastruktur, Planungs- und Genehmigungsverfahren zeigen, um die Wirtschaft zu Investitionen zu motivieren.

Katja-Lewalter-Düssel, Vorständin beim Genossenschaftsverband – Verband der Regionen sagte: „Auf die aktuelle Schieflage einzelner Banken in den USA und in der Schweiz darf man nicht reflexhaft mit weiterer Regulierung des Bankgeschäfts in der EU bzw. Deutschland reagieren. Sonst wird es den Banken zunehmend schwerfallen, wichtigen volkswirtschaftlichen Aufgaben wie der Finanzierung der nachhaltigen Transformation nachzukommen.“

Thomas Buschmann mahnte mehr „Beinfreiheit“ für die Kreditinstitute an, um künftig die Transition von Digitalisierung und Nachhaltigkeit bedarfsgerecht finanzieren zu können: „Genauso wie Kreditinstitute Unternehmensfinanzierung um ESG-Kriterien erweiterten, sollte die Regulierung die Besonderheiten der Taxonomie so gestalten, dass Investitionen nicht be- oder gar verhindert werden – also bei aller geforderten Sorgfalt mehr Flexibilität zeigen.“ Zur Risikominimierung bei der Nachhaltigkeitsfinanzierung sei außerdem ein Absicherungsfonds hilfreich.

Auch Jürgen Wannhoff betonte: „Für ein Land im Transformationsmodus bedarf es eines regelrechten Kapitalboosters. Es braucht Instrumente, die die wirtschaftliche und finanzielle Leistungsfähigkeit dieses Landes entfesseln. Das wäre mit einem Transformationsfaktor bei der Eigenmittel-Unterlegung von Krediten für Zwecke der Digitalisierung und Klimaneutralität, möglich wie ihn im europäischen Regulierungsrahmens die bei der Eigenkapitalprivilegierung von Infrastrukturfinanzierungen schon gibt.“ Ein solcher Faktor würde für Kapitalentlastung bei der Kreditvergabe sorgen, zusätzliche Darlehen möglich machen und den Strukturwandel beschleunigen.

Michael Breuer machte deutlich, dass die milliardenschweren Zukunftsinvestitionen nur dann umsetzbar seien, wenn neben öffentlichem auch privates Kapital mobilisiert werden könne. Regulierung müsste da überprüft und ggfls. angepasst werden, wo sie dies verhindere. Ökologische Transformation werde zudem nur gelingen können, wenn möglichst vielen Unternehmen der Weg von einer „braunen“ zur „grünen“ Industrie möglich wäre. „Wir müssen beziehungsweise wollen auch Unternehmen finanzieren, die heute noch nicht nachhaltig sind, sich aber nachvollziehbar auf den Weg gemacht haben. Dafür brauchen wir entsprechende Flexibilität. Taxonomie muss sie unterstützen und nicht bremsen.“

Die Taxonomie-Verordnung sei die große theoretische Wegmarke der EU in Sachen Nachhaltigkeit mit dem Ziel, Investitionen in ökologisch nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten zu lenken, so Katja Lewalter-Düssel: „Für diesen Pfad gibt es allerdings weder ein Vorbild, noch viel Zeit, unterschiedliche Abzweigungen zu testen. Es ist daher verständlich, dass die gesetzliche Theorie nicht immer die real- und finanzwirtschaftliche Praxis trifft.“

Von der Taxonomie-Verordnung seien bisher nur wenige große Unternehmen in Deutschland unmittelbar betroffen. „Einen Masseneffekt werden wir ab 2024 erleben, wenn die neue europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung für bis zu 15.000 Unternehmen in Deutschland verpflichtend wird. Sie müssen dann darlegen inwieweit ihr Geschäftsmodell zum Klimawandel oder aber zur Einhaltung des Pariser 1,5-Grad-Ziels beiträgt“, erläuterte Katja Lewalter-Düssel. Die erforderlichen Daten für die Berichterstattung der nachhaltigen Aktivtäten in ausreichendem Maße sicherzustellen, werde eine große Herausforderung, der sich die Unternehmen frühzeitig widmen müssten. Insbesondere mittelständische Unternehmen brauchten Unterstützungsangebote, um den Weg der Transformation erfolgreich zu beschreiten.

Info Bankentag NRW:
Beim 3. Bankentag NRW diskutieren am 28. März 2023 auf Einladung der vier kreditwirtschaftlichen Verbände in Nordrhein-Westfalen rund 250 Teilnehmende aus Politik, Kreditwirtschaft, Unternehmen und Verbänden unter dem Motto „Transformation gemeinsam gestalten“ in den Räumlichkeiten der NRW.BANK die Herausforderungen des Transformationsprozesses in NRW. In den Austausch treten die Veranstalter unter anderem mit Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Marcus Optendrenk, Minister der Finanzen des Landes Nordrhein-Westfalen, Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Mark Branson, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und Dr. Sabine Mauderer, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank.


v.i.S.d.P.:
Daniel Illerhaus
Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V.
Ludwig-Erhard-Allee 20, 40227 Düsseldorf
E-Mail: daniel.illerhaus@genoverband.de

Steffen Pörner
Bankenverband Nordrhein-Westfalen
Königsallee 47, 40212 Düsseldorf
E-Mail: steffen.poerner@bankenverband-nrw.de

Andreas Löbbe
Sparkassenverband Westfalen-Lippe
Regina-Protmann-Straße 1, 48159 Münster
E-Mail: a.loebbe@svwl.eu

Notker Becker
Rheinischer Sparkassen- und Giroverband
Kirchfeldstraße 60 40217 Düsseldorf
Telefon: +49 211 3892-232
Mobil: +49 160 97703751
E-Mail: notker.becker@rsgv.de

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Abteilungsleiter Kommunikation, Marketing, Politik

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