5. Newsletter Ausgabe 05/2023

Jahresgespräch mit Minister Dr. Till Backhaus am 15. Mai 2023

Beim Jahresgespräch mit Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus im Mai 2023 ging es nach dem Start in die neue Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bereits darum, wie eine künftige GAP ausgestaltet werden könne. Einigkeit bestand dabei darüber, dass die GAP eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft zum Ziel haben muss und hierbei Ökologie, Ökonomie und Soziales als gleichberechtigte Dimensionen der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen sind. Für die aktuelle Periode äußerte Backhaus Unverständnis zur Rechtsauffassung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Junglandwirteförderung bei Agrargenossenschaften und bestärkte die anwesenden Vertreter des Genossenschaftsverbandes darin, uns weiter für die Gleichberechtigung von Agrargenossenschaften einzusetzen. Neben der allgemeinen Situation der Landwirtschaft und der Agrargenossenschaften waren vor allem die Chancen regionaler Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien und die Rolle der Landwirtschaft von Relevanz.

(Auf dem Bild zu sehen sind, v.l.n.r.: Abteilungsleiter Jan-Ulf Holz und Bereichsleiter Dr. Andreas Eisen (beide vom Genossenschaftsverband), Minister Dr. Till Backhaus, Wilfried Lenschow, Vorsitzender Agrargenossenschaft Bartelshagen I eG)

Genossenschaftsverband reicht Stellungnahmen in Brandenburg und Sachsen zu den Gesetzesentwürfen der Agrarstrukturgesetze ein

Nach der Stellungnahme zu dem geplanten Thüringer Agrar- und Forstflächenstrukturgesetz hat der Genossenschaftsverband auch zu den zwei weiteren Gesetzesvorhaben eine Stellungnahme eingereicht.

In Brandenburg wurde zu dem Entwurf des Gesetzes zum Erhalt und zur Verbesserung der brandenburgischen Agrarstruktur auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Bodenmarkts (BbgASG) und dem zugehörigen Agrarstrukturellen Leitbild Stellung bezogen. Das grundsätzliche Ziel des Gesetzesvorhabens ist die „Abwehr von Gefahren für die Agrarstruktur und damit für den ländlichen Raum durch eine agrarstrukturell nachteilige Verteilung von Grund und Boden“.

Ähnlich ist auch die Intention des Entwurfs des Gesetzes zum Erhalt und zur Verbesserung der sächsischen Agrarstruktur (Sächsisches Agrarstrukturgesetz – SächsAgrStrG), so geht es dort um die „Sicherung und Förderung einer vorteilhaften Agrarstruktur, die geprägt ist durch eine breite Streuung des Eigentums an Grundstücken unter regional verankerten Landwirten, die Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Produktionsflächen zu angemessenen Preisen für Landwirte […], die Erhaltung wirtschaftlich gesunder und leistungsfähiger landwirtschaftlicher Betriebe, eine landwirtschaftliche Nutzung nutzbarer Böden, eine gesunde Natur, Umwelt und Landschaftsstruktur“.

Der Genossenschaftsverband unterstützt das Anliegen nachteilige Entwicklungen für die Landwirtschaft abzuwehren und mittels einer Unterstützung der Landwirtschaft die regionale Wertschöpfung und den ländlichen Raum zu stärken. Aus Sicht des Genossenschaftsverbandes können die Ziele beider Gesetzesvorhaben mit den definierten Maßnahmen aber nicht erreicht werden, da die im Entwurf enthaltenen Regelungen bestehende örtlich ansässige Landwirtschaftsbetriebe in ihrer Entwicklung behindern würden und zukunftsrelevante Strukturveränderungen unmöglich machen. Vielmehr ist der Verband der Ansicht, dass die insbesondere in den neuen Bundesländern strukturprägenden Agrargenossenschaften in beiden Vorhaben keine Berücksichtigung finden.

Der Genossenschaftsverband wird sich auch weiterhin für die Belange der Agrargenossenschaften einsetzen und das Gesetzgebungsverfahren mit den nötigen Maßnahmen begleiten.

Jahresgespräch mit Ministerin Susanna Karawanskij am 05. Juni 2023

Erfurt. Das Jahresgespräch mit Susanna Karawanskij, der Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, war geprägt von einer konstruktiven Diskussion. Zentrales Thema waren die Besonderheiten der Agrargenossenschaften als kooperative und demokratische Wirtschaftsform. Schnell bestand Einigkeit darüber, dass Agrargenossenschaften durch das geplante Agrarstrukturgesetz nicht in ihrer Entwicklung behindert werden dürfen und der Gesetzentwurf diesbezüglich noch deutlich präzisiert werden muss. Ebenso wurde von den Genossenschaftsvertretern deutlich, dass die Agrargenossenschaften aufgrund der Benachteiligung bei der Junglandwirteförderung gewillt sind, den Rechtsweg einzuschlagen.

Weiterhin wurde die große Bedeutung eines produktiven Miteinanders von Landwirtschaft und den Erzeugern erneuerbarer Energien von Ministerin Susanna Karawanskij, Dr. Andreas Eisen (Bereichsleiter Genossenschaftsverband) und Matthias Klippel (Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft "Wöllmisse" Schlöben eG) auch im Hinblick auf den Schutz der Ackerflächen für die landwirtschaftliche Produktion und das Potential von Biogasanlagen diskutiert.

Ministerbesuch bei der Agrargenossenschaft Welsickendorf eG

Welsickendorf. Im Februar empfing der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg, Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen), Vertreter von Genossenschaftsverband und Mitgliedsgenossenschaften. Am 4. Mai 2023 erfolgte nun der vereinbarte Gegenbesuch von Axel Vogel in Welsickendorf.

Die Einladung ausgesprochen hatten Wilfried Krieg (Vorstandsvorsitzender), Paul Ziegelmann (Vorstand) und Marina Grusdat (Aufsichtsratsvorsitzende), denn eine Agrargenossenschaft vorstellen und erleben funktioniert am besten vor Ort.

Im Programm durfte eine Rundfahrt zu den Milchviehställen und der Biogasanlage ebenso wenig fehlen, wie ein Abstecher inklusive Themenexkurs in den Forst mit dem anwesenden Revierförster Roland Hennig. Die Aufgabe, Forstflächen zukunftsfähig zu gestalten, um Verluste durch Wasserknappheit, Waldbrände oder Schädlingsbefall zu minimieren, war ebenso Thema wie die Rolle der Förster im Generellen.

Im anschließenden Gespräch mit Minister, Genossenschaften und Verband wurde die Zukunft der Tierhaltung – insbesondere aber die Notwendigkeit zum Aufstocken der Viehbestände in Brandenburg – diskutiert. So seien in den vergangenen Jahren nicht nur die schweinehaltenden Betriebe zurückgegangen, sondern auch die Milchviehbestände. Keinen Zuwachs gäbe es bei der Mutterkuhhaltung. Auch waren sich alle Anwesenden einig, dass einmal ausgestiegene Betriebe kaum wieder von einem Neubeginn zu überzeugen seien – zumal die Planungssicherheit fehle. Mit welchem Ansatz Ställe aktuell modernisiert werden sollen, trieb sowohl den Betrieb in Welsickendorf als auch Mario Schwanke, den Vorstandsvorsitzenden der benachbarten JAG-Jüterboger Agrargenossenschaft um.

Was machen Sie beim Genossenschaftsverband?

Ich bin Bereichsleiter Kommunikation & Change im Genossenschaftsverband und gleichzeitig Geschäftsführer der AWADO Kommunikationsberatung, einer 100-prozentigen Tochter des Verbandes.

Welche Schwerpunkte betreuen Sie als Bereichsleiter beim Verband?

Ich verantworte die externe und interne Kommunikation des Verbandes. Da wir sehr viel auf Eigenverantwortung und Selbstmanagement der Kolleginnen und Kollegen setzen, geht es dabei vor allem um das Schaffen eines Rahmens, in dem diese ihre Fähigkeiten im operativen Alltag zur Entfaltung bringen können. Strategische Weichenstellungen des Verbandes in kommunikativen Fragestellungen werden von unserem Kommunikationsteam mit meiner Unterstützung für den Vorstand vorbereitet. Manchmal greife ich auch selbst zur Tastatur und erstelle Kommunikationsstrategien, dann vor allem für Kunden der AWADO Kommunikationsberatung auf den Gebieten der Pressearbeit, der Krisenkommunikation und der Fusionskommunikation.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich bin Landkind und stehe daher sehr früh auf. Ab 04.30 Uhr bin ich in der Regel am Schreibtisch – ich arbeite viel mobil – und kümmere mich dann überwiegend um Mitgliederaufträge. Sobald die Kolleginnen und Kollegen in ihren Arbeitstag starten, tue ich, was Führungskräfte im Kommunikationsbereich tun: Videokonferenzen führen, Abstimmungsrunden einleiten, an Präsenzsitzungen teilnehmen, Teambesprechungen durchführen, Textfreigaben einholen, Strategiegespräche führen, Journalistenkontakte pflegen etc. Dazu kommen ganz viele Termine bei Mitgliedern im gesamten Verbandsgebiet.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Das Landleben im Westmünsterland genießen – mit allem, was dazugehört.

Interview mit Norman Edelmann, Experte für präventives und reaktives Krisenmanagement bei der AWADO Kommunikationsberatung

Herr Edelmann, welche kommunikativen Krisen gibt es in Unternehmen?

Wir unterscheiden in der Theorie zwischen der eruptiven, der periodischen und der schleichenden Krise. Das Beispiel in Neuzelle war eine typische eruptive Krisenform: ein nicht vorhersehbares Ereignis, das massive Folgen für das Image eines Unternehmens hat und im schlimmsten Fall eine existenzbedrohende Wirkung entfalten kann. Durch geeignete Maßnahmen kann die Krise aber schnell wieder abebben. Da gilt es also, sofort, schnell und umfassend zu reagieren, damit aus dem ersten Feuer kein Flächenbrand wird. Für landwirtschaftliche Unternehmen ist es aber die periodische bzw. wellenförmige Krise, auf die besondere Aufmerksamkeit gelegt werden müsste.

Warum?

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Die Produktion von Lebensmitteln ist ein gesellschaftliches Thema mit hoher emotionaler Relevanz bei Verbraucherinnen und Verbrauchern und permanentem Handlungsdruck für die Politik. Unterschiedliche Einflussfaktoren – von nachhaltigen über gesundheitliche bis hin zu finanziellen Implikationen – wirken durch die Gesellschaft auf Politik und Industrie ein. Das Thema geht in den Medien also immer, hat ein immenses Skandalisierungspotenzial und in den sozialen Medien bietet es jede Menge Potenzial für „Likes“ auf pointierte Posts und kritische Stimmen. Dann haben wir hier eine sehr aktive Community von Nicht-Regierungsorganisationen, die von Spenden leben. Und jeder Landwirtschaftsskandal – ob tatsächlich vorhanden oder künstlich erzeugt – wirkt wie ein Konjunkturprogramm. Ehrlich gesagt, ist es fahrlässig, wie die Landwirtschaftsbranche sich kommunikativ diesem Thema stellt.

Was meinen Sie?

Meine Wahrnehmung ist, dass man versucht, mit Mitteln und Instrumenten des letzten Jahrhunderts Interessen zu vertreten, es aber versäumt, die gesellschaftliche Meinungsbildung an der Wurzel zu beeinflussen. Also: Man versucht in Politikgesprächen Interessen durchzusetzen, manchmal begleitet von einer medial dankbaren Demonstration mit Traktoren in Berlin oder Brüssel. Aber präventiv vor allem dort aktiv zu sein, wo Meinung mittlerweile maßgeblich gebildet wird, nämlich in den sozialen Medien, da ist die Branche sehr schwach aufgestellt. Das ist so, als würden Sie einen Fluss mit einem immer höheren Damm zähmen wollen, anstatt im Quellgebiet Maßnahmen durchzuführen. Am Ende haben sie keine Chance, weil die Fließgeschwindigkeit immer größer wird und dann den Damm mit voller Wucht trifft und diesen am Ende zerstört.

Sie denken also, dass mehr aktive und präventive Kommunikation erforderlich ist?

Ja, das Internet bietet dafür doch die richtigen Kanäle, mit denen ich Millionen relevante Akteure aus Gesellschaft, Politik und Industrie gleichermaßen erreiche. Von LinkedIn über TikTok, Instagram oder Facebook – die Möglichkeiten sind mannigfaltig. Auf diesen Kanälen muss die Sicht der Bäuerinnen und Bauern sowie der Genossenschaften sehr viel stärker wahrgenommen werden als bislang.

Aber wie soll das geleistet werden? Die Bauern und die Betriebe brauchen ihre Ressourcen für ihre eigentlichen Aufgaben.

Auch die Kommunikation ist eine eigentliche Aufgabe von Unternehmen in einer Informationsgesellschaft, ob wir wollen oder nicht. Sie prägt Reputation und ist zugleich Garant für die Licence to operate. Also die gesellschaftliche Akzeptanz eines Unternehmens und teilweise gar einer ganzen Branche. Wenn ich nicht aktiv dafür arbeite, diese Akzeptanz aufrechtzuerhalten, muss ich mich – längerfristig betrachtet – nicht wundern, wenn ich als gesellschaftlich irrelevant eingestuft und mein Geschäft somit zerstört wird.

Ich verstehe aber auch die Sicht der Bäuerinnen und Bauern, dass für Kommunikation kaum oder keine Kapazitäten vorhanden sind. Was ich aber nicht nachvollziehen kann, ist, warum nicht ganz nach dem genossenschaftlichen Motto „Was einer nicht kann, das vermögen viele“ die Kräfte gebündelt werden. Gerade für die Agrargenossenschaften wäre das ein Weg. Die Genossenschaftsbanken machen das übrigens erfolgreich vor mit ihren gemeinsamen Plattformen für die Social Media-Kommunikation und ihre Webpräsenz.

Vor etwa drei Jahren hatte der Genossenschaftsverband – Verband der Regionen eine solche Plattformlösung vorgestellt. Seinerzeit haben sich die Mitglieder aus finanziellen Gründen nicht für eine Umsetzung entschieden.

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Norman Edelmann

Krisenkommunikation, Unternehmenskommunikation, CEO-Positionierung
AWADO Kommunikationsberatung GmbH

Es war ein Mittwochnachmittag im Sommer, als Asmus Schütt, Bereichsleiter Kommunikation und Change im Genossenschaftsverband, von Heidi Wittgen, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Neuzelle eG, angerufen wurde: „Bei uns erfolgten heimliche Filmaufnahmen im Stall, die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentieren. Überregionale Medien zeigen diese auf ihren Kanälen. Uns erreichen empörte E-Mails, Anrufe und Medienanfragen. Wie sollen wir uns verhalten?“

Donnerstagvormittag treffen die Experten für Krisenkommunikation des Verbandes in Neuzelle ein. „Von der Reaktionsgeschwindigkeit und Klarheit im Handeln war ich von Anfang an begeistert. Ich dachte, wir bekommen ein paar Ratschläge, aber dann wurden wir umfassend und sehr kompetent vor Ort unterstützt“, zeigt sich Vorstandsvorsitzender Frank Matheus noch heute positiv überrascht.

Die Sachstandserhebung von Asmus Schütt und seinem Kollegen ergab: Kunden stornieren Aufträge, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind verunsichert, Medien machen weiter Druck. Das die Krise auslösende Ereignis war nicht Ausdruck von Organisationsversagen, sondern von individuellen Verfehlungen einer Mitarbeiterin.

„Darauf haben wir unsere Kommunikationsstrategie aufgebaut. Die Botschaft: Es sind Fehler gemacht worden, es wurde gegen Anweisungen verstoßen, wir arbeiten mit den Behörden zusammen, wir tun alles, damit sich diese Verstöße nicht wiederholen“, so Schütt im Rückblick. Um 19:00 Uhr desselben Tages waren alle Kommunikationsmittel erstellt und Vorstand sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die weiteren Tage medialer Aufgeregtheit vorbereitet:

  • Sprachregelung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Vorbereitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Verhalten bei Medienanfragen (Suggestivfragen, laufende Kamera etc.)
  • Verhaltensregeln für Anrufe von Kunden, Mitgliedern, Dritten
  • Videobotschaft des Vorstandsvorsitzenden auf Homepage
  • Schreiben an Kunden, um Stornierungen rückgängig zu machen
  • Mitgliederschreiben
  • Schriftliche Statements für Presseanfragen
  • Medientraining des Vorstands
  • Übernahme der Aufgaben eines Pressesprechers
  • Aktive Kontaktaufnahme mit Medien vor Ort
  • Aktive Kontaktaufnahme mit Stakeholdern durch Vorstand

Die sofortige Reaktion mit einer vollumfänglichen, nichts beschönigenden und nachvollziehbaren Darstellung der Situation entfaltete sehr schnell Wirkung. „Es ist wichtig gewesen, dass während der gesamten Krise die eine zentrale Botschaft über alle Kanäle hinweg kommuniziert wurde“, erklärt Kommunikationsexperte Schütt.

In den Folgetagen war das Kommunikationsteam rund um die Uhr erreichbar, auch am Wochenende. Es erfolgte ein täglicher Austausch mit dem Vorstand. Mit Unterstützung – erneut vor Ort – der Experten des Verbandes wurden einige Medieninterviews gegeben. Frank Matheus erinnert sich an diese Medientermine: „Das war für uns Neuland. Und sehr gewöhnungsbedürftig war es, gebetsmühlenartig auf jede Frage immer die gleiche Botschaft zu senden, also sich nicht zu kümmern, was gefragt wurde, sondern nur darauf zu achten, dass die eigene Botschaft transportiert wird. Aber die Strategie zahlte sich aus.“

Innerhalb von Tagen ebbte die Empörungswelle ab. Das Medieninteresse schlief nach nicht einmal einer Woche vollends ein. Die positiv-kritische Berichterstattung in den Lokalmedien war Ergebnis der klug angelegten Kommunikationsstrategie, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewannen unmittelbar an Sicherheit und vor allem wurden die Stornierungen der Bestellungen zurückgenommen, erinnern sich Matheus und Wittgen.

Niemand braucht solche Situationen, auch Frank Matheus nicht: „Ich will so etwas nicht wieder erleben, aber wenn, dann immer mit den Experten des Verbandes an unserer Seite. Denn das war richtig gut, absolut passgenau auf die Situation abgestimmt und hat uns vom ersten Kontakt an Sicherheit gegeben.“

Selten war der Markt für Milch von so vielen unterschiedlichen Faktoren geprägt: Die Pandemie, der Krieg und eine mögliche Rezession führten und führen zu starken Preisausschlägen in beide Richtungen.

Rückblickend auf die vergangenen zwölf Jahre sind starke Schwankungen des Milchauszahlungspreises an die Milcherzeuger schon fast zur Normalität geworden. Externe Einflüsse wie die Insolvenz der Investitionsbank Lehman Brothers oder die russische Annektierung der Krim und der dadurch ausgelöste Importstopp von Milchprodukten schlugen sich auf den Milchpreis negativ nieder. Die Corona-Pandemie ließ zunächst ein Absinken der Milchpreise erwarten. In schwacher Ausprägung traten auch tatsächlich niedrigere Preisentwicklungen ein, die ihren Ursprung aber überwiegend in dem Fehlen von Transportmitteln nach Asien fanden. Nach Ende der Pandemie nahm die Nachfrage nach Milchprodukten einen unerwartet positiven Verlauf: Asiens Märkte nahmen größere Milchmengen auf. Dadurch und aufgrund der Preisentwicklung auf den Rohstoff- und Energiemärkten entwickelten sich höhere Absatzpreise für Milchprodukte, die wiederum zu höheren Milchauszahlungspreisen führten.

Zum Ende des Jahres 2022 ist der Aufschwung am Milchmarkt vorüber. Die hohen Preise entfalten ihre marktregulierenden Kräfte: Das Angebot wird stimuliert und die Nachfrage gedämpft. Während die Nachfrage nach Milchprodukten in Asien ins Stocken geriet, blieb die durchschnittlich erzeugte Milchmenge europaweit stabil. In wichtigen europäischen Milchexportländern nahm die Milchmenge sogar zu, allein Deutschland und die Niederlande erzeugten in den ersten beiden Monaten des Jahres 2023 zusammen 250.000 t mehr Milch als im selben Zeitraum des Jahres 2022. Derzeit schrumpft das Wachstum der Milchanlieferung im Vergleich zum Vorjahr wieder etwas.

Hohe Inflationsraten und Kaufkraftverluste haben die Kauflust auch bei Grundnahrungsmitteln wie Milchprodukten etwas gedämpft. Andererseits wird sich das Bevölkerungswachstum über die vermehrte Zuwanderung stimulierend auf den Bedarf auswirken. Stärker als der Binnenkonsum schwankt üblicherweise der Export auf den Weltmarkt. Dieser könnte bei den inzwischen niedrigeren Preisen wieder stärker Fahrt aufnehmen. Viel hängt davon ab, ob sich Chinas Wirtschaft von der Corona-Pandemie rasch erholt und damit der größte Milchprodukte-Importeur der Welt wieder stärker als Käufer in den Weltmarkt zurückkehrt.

An den Märkten ist derzeit eine abwartende Haltung zu beobachten, der Markt sucht seine Richtung.

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Joachim Burgemeister

Betreuung und Beratung Hannover/Rendsburg
Standort Rendsburg

Betriebsmitteldarlehen sind in der Regel bei den Hausbanken über die Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) besichert. Die dafür notwendige regelmäßige bankinterne Kalkulation der Betriebsprämie war für den Agrarkundenbetreuer bisher vergleichsweise simpel: Basis-, Greening- und Umverteilungsprämie aus der jährlichen Bekanntmachung im Bundesanzeiger auf die beihilfefähige Fläche gerechnet.

Die Berechnung der Summe der zu erwartenden Direktzahlungen ab 2023 ist deutlich komplexer und insbesondere die Ökoregelungen sind nur für jeden Betrieb individuell kalkulierbar. Die Höhe der Betriebsprämie ist damit aus Sicht der Bank eine Black Box. Der Agrarkundenbetreuer kann lediglich die Basisprämie in Höhe von 157 EUR je Hektar ansetzen. Bei einem 2.000 Hektar-Betrieb fehlen damit auf einen Schlag mehr als 200 TEUR an Sicherheiten im Vergleich zur alten Förderperiode.

Für die tatsächlich zu erwartenden Zahlungen aus Umverteilungsprämie, gekoppelten Tierprämien, Basisprämie, Ökoregelungen und Zahlungen für Junglandwirte ist der Agrarkundenbetreuer auf Ihre Zuarbeit angewiesen. Wir erwarten, dass die Banken dafür entweder proaktiv auf Sie zugehen und Ihnen Excel-Tools zur Prämienkalkulation zusenden oder diese bei Ihnen abfragen. Halten Sie also in jedem Fall eine Berechnung mit Hilfe der frei zugänglichen Tools vor oder nutzen Sie die GAP Beratung durch die Berater unserer AWADO Agrar- und Energieberatung GmbH.

In den 1990er-Jahren schwappte eine Mediationswelle aus den USA nach Deutschland rüber. Seitdem hat sich in Sachen Mediation viel bewegt. Auch wenn inzwischen viele den Begriff kennen, wissen die wenigsten konkret etwas damit anzufangen.

Unser Exkurs „Mediation“ soll aufklären, informieren, offenlegen und Ihnen den Sinn und Nutzen der Mediation näherbringen. In den nächsten Ausgaben werden Sie unterschiedliche Bausteine kennenlernen. Wir starten aber mit der wichtigsten Frage: Was ist Mediation überhaupt?

Was ist Mediation?

Mediation ist ein strukturiertes Verfahren zur Konfliktbeilegung, bei dem ein neutraler Dritter (der Mediator) das Gespräch leitet. Ziel ist es, eine einvernehmliche Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten einverstanden sind. Dabei sind alle Lösungsansätze denkbar. Mediation versteht sich als zukunftsorientiert. Das bedeutet, dass nicht alte Probleme aufgearbeitet werden, sondern eine Lösung für eine weitere Zusammenarbeit gefunden werden soll. Der Mediator ermöglicht den Austausch darüber und hilft dabei, die Lösung aus einem gemeinsamen Verständnis heraus herzuleiten.

Warum Mediation?

„Wenn man als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.“ (Paul Watzlawick)

Manchmal hilft die unbeteiligte, neutrale Sicht von außen. Während man im Konfliktfall oft in seinem Standpunkt gefangen ist, hat der Mediator als Unbeteiligter an der Situation die Möglichkeit, auch andere Sichtweisen in Betracht zu ziehen.

Mediation kann den Nutzen herausarbeiten, indem die Anliegen und Sichtweisen der einen Seite wie die der Gegenseite verstanden werden, wenngleich man damit nicht einverstanden sein muss. Dieses Verständnis ermöglicht die Lösungsfindung auf einer anderen Ebene.

Mediation vs. Gerichtsverfahren: Der Unterschied zum Gerichtsverfahren ist, dass bei einer Mediation keine Beweisaufnahme vorgenommen wird. Es folgt demnach auch keine Rechtsprechung oder Schuldzuweisung, denn jeder Konfliktpartner hat seine eigene Wahrheit. Diese zu beurteilen, liegt nicht im Ermessen des Mediators. Gespräche finden daher auf Augenhöhe statt.

Wann eignet sich Mediation?

Grundsätzlich eignet sich die Mediation zur dauerhaften Konfliktlösung; also bei Konflikten, die eine Suche nach der bestmöglichen Lösung nahelegen. Die Mindestanforderung an die Konfliktparteien sollte sein, dass noch ein Funken Wille zum Gespräch vorhanden ist. Das muss man nicht mit Freude tun, Ihr Mediator unterstützt Sie gerne dabei.

Mediation eignet sich nicht, wenn es um die Durchsetzung einer Lösung geht, bei der es nicht darauf ankommt, ob die gegnerische Partei damit einverstanden ist oder nicht. In diesem Fall wählen Sie lieber das Gerichtsverfahren.

Mediation und Genossenschaftswesen ergänzen sich hervorragend, da beide nach ähnlichen Prinzipien arbeiten. Klingt ziemlich weit hergeholt? Welche Prinzipien der Mediation zugrunde liegen und wie sich diese mit den genossenschaftlichen Prinzipien decken, erzählen wir Ihnen in der nächsten Ausgabe.

Mediation ist…

… professionelle Konfliktlösung.

… eine Investition in eine neue Streit- und Konfliktkultur.

… immer eine Erfahrung wert.

… eine Möglichkeit, Konfliktkosten zu reduzieren.

… so vieles mehr …

Stefanie Herfort Profil bild

Stefanie Herfort

Beratung und Betreuung Genossenschaften
insb. Schülergenossenschaften
Master of Mediation (MM)

Terminerinnerung für bevorstehende Veranstaltungen:

13.06.23 - Genossenschaftsabend mit allen Mitgliedern in Berlin (Einladung für Mitglieder erfolgte per Rundschreiben)

20.06.23 - Digitaler Verbandstag

08.11.23 - Eröffnung der Winterschulungen


Weitere Seminartermine - Anmeldung und Details unter:

Online-Seminar: Bodenfruchtbarkeit erhalten und fördern : GenoAkademie

Praxis-Seminar: Energieeffizienz in der Getreidelagerung: GenoAkademie
Dieses Seminar findet mit maximalem Praxisbezug bei einem Agroservice-Betrieb mit eigenen Lagerkapazitäten vor Ort in Thüringen statt.

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