Politik

Brauchen wir eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft – oder bessere Rahmenbedingungen?

  • 22.04.2026
  • Politik

Die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten ist unbestritten. Umso wichtiger ist es, in der aktuellen politischen Debatte genau zu prüfen, mit welchen Instrumenten tatsächlich schnell und nachhaltig zusätzlicher Wohnraum entstehen kann.

Aus Sicht des Genoverband e.V. liegt das zentrale Problem dabei nicht im Mangel an Akteuren. Deutschland verfügt bereits heute über eine leistungsfähige und vielfältige Landschaft gemeinwohlorientierter Wohnungsunternehmen: Wohnungsgenossenschaften, kommunale und kirchliche Träger sowie weitere nicht renditeorientierte Anbieter schaffen seit Jahrzehnten bezahlbaren Wohnraum, investieren langfristig und sorgen für stabile Quartiere. Sie sind regional verankert, verfügen über erprobte Strukturen und begleiten Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Entwicklung bis zur Bewirtschaftung.

Vor diesem Hintergrund begegnen wir dem Vorschlag, neue staatliche Wohnungsbaugesellschaften aufzubauen, mit Skepsis. Eine solche Gesellschaft müsste zunächst erhebliche Ressourcen binden: Kapital, Fachpersonal, Zeit und organisatorischen Aufwand – lange bevor auch nur eine zusätzliche Wohnung entsteht. Zudem würde sie in einem Umfeld starten, das bereits heute durch hohe Baukosten, gestiegene Zinsen, lange Genehmigungsverfahren und zunehmende regulatorische Komplexität geprägt ist.

Gerade diese Rahmenbedingungen sind es, die den Wohnungsbau aktuell ausbremsen. Banken sind grundsätzlich bereit, Wohnungsbau zu finanzieren – insbesondere dort, wo Geschäftsmodelle langfristig stabil, planbar und kalkulierbar sind. Wohnungsgenossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Unternehmen erfüllen diese Voraussetzungen in besonderem Maße. Dass dennoch viele Projekte auf Eis liegen, liegt nicht an fehlendem Kapital, sondern an mangelnder Investitions- und Planungssicherheit.

Aus Sicht des Genoverband e.V. liegt der wirksamste Hebel daher woanders: Bestehende Strukturen konsequent stärken, statt neue Parallelstrukturen aufzubauen. Konkret heißt das: verlässliche und langfristig planbare Förderkulissen, schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren, ein Abbau regulatorischer Hemmnisse sowie Instrumente zur Abfederung von Kosten- und Zinsrisiken.

Wohnungsgenossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Anbieter sind bereit, mehr zu bauen. Sie verfügen über Grundstücke, Projektpipelines, regionales Know-how und hohe Akzeptanz vor Ort. Werden die Rahmenbedingungen verbessert, kann zusätzlicher Wohnraum schneller, effizienter und nachhaltiger entstehen.

Unser Fazit: Die Wohnungskrise lässt sich nicht durch neue Organisationsstrukturen lösen. Entscheidend ist, die Akteure zu unterstützen, die bereits heute Verantwortung übernehmen und bauen wollen.

Daher fordern wir:

1. Verlässliche und langfristige Förderinstrumente

Förderprogramme müssen langfristig planbar, stabil und auskömmlich ausgestaltet sein. Häufige Änderungen, Befristungen oder Unsicherheiten bei Förderbedingungen erschweren Investitionsentscheidungen massiv.

2. Schnellere und einfachere Genehmigungsverfahren

Deutlich verkürzte Planungs- und Genehmigungszeiten für Wohnungsbauprojekte. Reduktion komplexer Abstimmungs- und Prüfprozesse auf Landes- und Kommunalebene.

3. Abbau regulatorischer Komplexität

Vereinfachung technischer, energetischer und baurechtlicher Vorgaben. Vermeidung zusätzlicher Standards, die zwar gut gemeint sind, Baukosten jedoch weiter erhöhen und Projekte unwirtschaftlich machen.

4. Verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten für gemeinwohlorientierte Anbieter

Instrumente zur Abfederung von Zins- und Kostenrisiken, etwa Bürgschaften oder Zinszuschüsse. Anerkennung von Wohnungsgenossenschaften als besonders stabile und förderwürdige Kreditnehmer.

5. Kapital gezielt in bestehende Strukturen lenken

Öffentliche Mittel sollten nicht in den Aufbau neuer Organisationen fließen, sondern direkt bestehenden Wohnungsunternehmen zugutekommen. Dort ist die Wirkung schneller, effizienter und risikoärmer, da Grundstücke, Projektpipelines und Know-how bereits vorhanden sind.

6. Vermeidung zusätzlicher Konkurrenz um Fachkräfte

Kein paralleler Aufbau neuer staatlicher Akteure, die Planer, Bauingenieure und Verwaltungspersonal vom Markt abziehen. Stattdessen Stärkung der Kapazitäten der bestehenden Unternehmen.

Sprechen Sie hierzu gerne an:

Stefan Touchard Profil bild

Dr. Stefan Touchard

Berater
Wohnen/Immobilien, Handwerk und Handel

  • 0211 16091-4349

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