Tierhaltungskennzeichnung, Düngerecht, Klimawandel und angespannte Agrarmärkte im Praxischeck: Beim zweiten Austausch mit Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte machten Vertreterinnen und Vertreter landwirtschaftlicher Genossenschaften deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen für die Branche inzwischen sind.
Am Montag, den 28.09. fand in Hannover der zweite Austausch mit Miriam Staudte, der Niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, im Format „Politik trifft Praxis“ statt. Sieben Genossenschaftsvertreter aus dem landwirtschaftlichen Handel sowie den Bereichen Vieh, Fleisch und Milch diskutierten mit der Ministerin und acht Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums über aktuelle Fragen der europäischen, bundesweiten und niedersächsischen Agrarpolitik.
Für einen spannenden Einstieg sorgte die Ministerin mit einem ausführlichen Bericht von der jüngsten Agrarministerkonferenz. Dabei ging es unter anderem um den aktuellen Dissens zwischen den Agrarministerinnen und Agrarministern beim Tierhaltungskennzeichnungsgesetz. Während eine vollständige Streichung des Gesetzes zur Diskussion stand, konnte man sich schlussendlich nur auf die Forderung einer erneuten Verschiebung des Inkrafttretens einigen.
Auch die Überlegungen zu einem Regionalisierungsprinzip im Düngerecht ordnete Staudte ein. Ergänzend berichtete sie über die Ergebnisse des jüngsten niedersächsischen Nährstoffberichts. Insbesondere die geplante Neuausrichtung des Düngerechts führte im Anschluss zu einer intensiven Diskussion. Die Praktiker machten deutlich, welche Auswirkungen gesetzliche Vorgaben und kurzfristige Änderungen auf die betrieblichen Abläufe im landwirtschaftlichen Handel und in der Veredelungswirtschaft haben.
Die zentrale Botschaft der Genossenschaftsvertreter war eindeutig: Soll Niedersachsen auch künftig ein Gunststandort für die Landwirtschaft und die vor- und nachgelagerten Bereiche bleiben, muss der Abbau bürokratischer Belastungen deutlich schneller vorankommen. Zusätzliche Dokumentations- und Nachweispflichten binden erhebliche personelle Kapazitäten und erschweren es den Unternehmen, sich auf ihr eigentliches Geschäft und notwendige Zukunftsinvestitionen zu konzentrieren.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Bürokratie längst nicht die einzige Belastung für die Branche ist. Mit aktuellen Beispielen aus ihren Unternehmen schilderten die Genossenschaftsvertreter die Folgen des Klimawandels, die schwierige Situation auf den Weltmärkten und die Auswirkungen sicherheitspolitischer Krisen. Hinzu kommen sinkende Budgets für die Landwirtschaft. Diese Entwicklungen erhöhen den wirtschaftlichen Druck auf die gesamte Wertschöpfungskette und erschweren langfristige Planungen.
Gerade angesichts dieser komplexen Rahmenbedingungen braucht es verlässliche politische Entscheidungen, praxistaugliche Regelungen und realistische Übergangsfristen. Das Gespräch bot den Beteiligten die Gelegenheit, unterschiedliche Positionen offen zu diskutieren und die konkreten Auswirkungen politischer Vorhaben unmittelbar aus der Praxis heraus zu bewerten.
Das Fazit des zweiten Austauschs: Besonders dort, wo politische und praktische Einschätzungen auseinanderliegen, ist ein kontinuierlicher und konstruktiver Dialog unverzichtbar. Das Format „Politik trifft Praxis“ schafft dafür den notwendigen Raum – kaum überraschend also, dass die Fortsetzung im Jahr 2027 direkt vereinbart wurde.
Die Veranstaltungsreihe „Politik trifft Praxis“ des Genoverbands ermöglicht seit zehn Jahren einen regelmäßigen Austausch zwischen politischen Entscheiderinnen und Entscheidern und einem ausgewählten Kreis von Genossenschaftsvertreterinnen und -vertretern.