- 09.09.2026
- Politik
Bafin gewährt Übergangsfrist für neue Anforderungen im Mengengeschäft
Aufsicht reagiert auf Herausforderungen bei der Umsetzung
WeiterlesenDie kürzlich von der Deutschen Bundesbank und Bafin vorgestellten Ergebnisse zum diesjährigen Stresstest für LSI (Less Significant Institutions) zeigen: Die deutschen Banken und Sparkassen sind insgesamt gut auf mögliche Krisen vorbereitet. Dank solider Kapitalquoten können die meisten Institute selbst einem drastischen wirtschaftlichen Einbruch standhalten.
Der LSI-Stresstest 2026 zeigt, dass die deutschen Banken und Sparkassen auch unter einem schwerwiegenden Stressszenario insgesamt widerstandsfähig bleiben. Im Aggregat würde die harte Kernkapitalquote um 3,8 Prozentpunkte sinken und damit etwas stärker als im Stresstest 2024. Zwar würden nicht alle Institute die aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen einhalten, die Zahl der betroffenen Institute ist jedoch rückläufig. Als wesentlicher Belastungsfaktor erweist sich das Adressrisiko, in dem sich die aktuellen globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen besonders deutlich widerspiegeln. Die Belastungen im Adressrisiko werden insbesondere durch Unternehmenskredite sowie durch gewerbliche Immobilienfinanzierungen verursacht. Wohnimmobilienkredite tragen dagegen trotz ihres hohen Anteils am Kreditportfolio vergleichsweise wenig zum Stresseffekt bei. Auch Marktpreisrisiken belasten die Institute, wobei die wesentlichen Effekte aus Anleihebeständen und Immobilienanlagen resultieren und durch die überwiegend gute Bonität der Bestände sowie bestehende Absicherungsgeschäfte teilweise abgefedert werden. Als zentraler Stabilitätsanker erweist sich auch im Stressszenario das Zinsergebnis, das weiterhin den wichtigsten positiven Ergebnisbeitrag liefert.
Die Bundesbank und die Bafin haben die Kreditinstitute in einer ergänzenden Umfrage zur aktuellen und zukünftigen Ergebnislage und Risikosituation befragt. Zu den zentralen Ergebnissen der Umfrage zählt, dass die Rentabilitätsplanungen der Institute in der Vergangenheit teilweise zu optimistisch waren und die prognostizierten Zinserwartungen die tatsächliche Zinsentwicklung unterschätzt haben. Auf Basis der dreijährigen Plandaten erwarten die Institute einen Anstieg der Gesamtkapitalrentabilität von 0,43 Prozent im Jahr 2025 auf 0,64 Prozent im Jahr 2028. Haupttreiber dieser Entwicklung ist das Zinsergebnis. Darüber hinaus gehen sie davon aus, dass die harte Kernkapitalquote von aktuell 18,4 Prozent auf 19,1 Prozent im Jahr 2028 steigen wird. Gleichzeitig rechnet jedoch jedes fünfte Institut innerhalb des Planungszeitraums mit einem Rückgang der harten Kernkapitalquote.
Die Erhebungsbögen für den diesjährigen Stresstest wurden angepasst und vereinfacht. So wurde zum Beispiel der Umfrageteil im Umfang reduziert, qualitative Fragen gestrichen und eine teilweise Vorbefüllung der Erhebungsbögen ermöglicht. Bei Nutzung der Proportionalitätslösung konnten weitere Entlastungen bei der Datenerhebung in Anspruch genommen werden.
Der Kapitalverzehr im Stresstest dient der Bestimmung der zukünftigen Eigenmittelempfehlung (Pillar 2 Guidance – P2G). Die Aufsicht hat die P2G-Methodik angepasst und risikoorientierter ausgestaltet. Es wird keine Empfehlung mehr ausgesprochen für Institute mit einer soliden Kapitalausstattung und/oder geringen im Stresstest identifizierten Risiken. Durch diese Methodenänderung erhalten nur noch rund 30 Prozent der Institute eine P2G. Bisher waren es rund 50 Prozent.
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland und im Euroraum bleibt fragil: Die deutsche Wirtschaft befindet sich zwar auf einem Erholungskurs. Es bestehen aber weiterhin große Belastungen durch geopolitische Risiken, hohe Energiepreise und Lieferkettenprobleme. Durch eine expansive Fiskalpolitik ergeben sich Wachstumsimpulse, etwas durch Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur. Die derzeit bestehenden Belastungen können die Ertragslage und die Schuldenfähigkeit der Institute beeinträchtigen.
Die bisherige Konjunktur und die strukturellen Belastungen haben Auswirkungen auf die Kreditqualität. Insbesondere im Unternehmenssektor nehmen Kreditrisiken zu. Haupttreiber hierbei bleiben Gewerbeimmobilienkredite, deren Qualität durch Zinsanstieg und Marktbelastungen unter Druck steht.
Institute simulieren im Stresstest die gesamte Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) über einen dreijährigen Horizont unter vorgegebenen Annahmen. Die Bankenaufsicht prüft anschließend die Einreichungen. Insbesondere werden die wesentlichen Risiken Zinsergebnis, Marktrisiko und Adressrisiko betrachtet.
Im Stresstest wird ein adverses Szenario angewendet, das eine sehr schwere Krise simuliert. Im LSI-Stresstest 2026 wurden Schockvorgaben ähnlich wie im LSI-Stresstest 2024 vorgegeben. Hierzu gehört ein stärkerer Einbruch des BIP, ein Anstieg der Arbeitslosenquote und weiterhin hohe Inflationsraten.
Der diesjährige LSI-Stresstest ist die siebte Erhebung seit 2013 und hatte 1.113 deutsche LSIs im Fokus. Er deckt 90 Prozent der Kreditinstitute in Deutschland und somit 38 Prozent der Bilanzsummen ab.
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt den Aufsichtsbehörden ein einheitliches Szenario für die nationalen LSI-Stresstests bereit. Das Szenario wird abgeleitet aus den vom Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) identifizierten Systemrisiken für die europäischen Finanzmärkte. Zu den Systemrisiken zählen unter anderem eine hohe geopolitische Unsicherheit, ein Rückgang des Welthandels und ein Potenzial für Zinsanstiege. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen zum Start des Stresstests (zum Beispiel des Iran-Konflikts) haben die Bundesbank und die Bafin die Szenariovorgaben sehr konservativ in die Risikoparameter des diesjährigen LSI-Stresstests einfließen lassen.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass die deutschen LSIs auch unter außergewöhnlich belastenden Bedingungen über eine robuste Kapitalausstattung verfügen. Zugleich verdeutlicht der Stresstest, dass die Institute vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten sowie erhöhter Risiken im Unternehmens- und Gewerbeimmobiliengeschäft weiterhin vorsichtig planen und steuern müssen.
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