Trotz eines spürbaren Trends zur Umschichtung in höher verzinsliche Festgelder während der ersten neun Monate dieses Jahres stehen vor dem Weltspartag 2026 noch immer fast zwei Drittel (64 %) der gesamten Kundeneinlagen bei den Volks- und Raiffeisenbanken in Höhe von 375 Mrd. Euro (+ 0,3 % bis 9/2026) als täglich fällige Sichteinlagen auf Tagesgeldkonten. Vor diesem Hintergrund setzen in einer Vorstands-Umfrage aus dem dritten Quartal 81 % der Mitgliedsbanken des Genoverbandes* darauf, dass die Einführung des neuen staatlich geförderten Altersvorsorgedepots ab 2027 das Interesse an privater Altersvorsorge insgesamt steigern wird – 89 % planen die Aufnahme in ihr Angebot. Gleichzeitig zeigt eine YouGov-Umfrage**, dass schon jetzt knapp die Hälfte der Bevölkerung grundsätzlich Interesse an neuen staatlich geförderten privaten Altersvorsorgeprodukten hat. Allerdings wollen 61 % erst einmal dessen Start abwarten, bevor sie sich informieren.
„Viele Kundinnen und Kunden setzen auf Sicherheit und Verfügbarkeit und nehmen so – ob bewusst oder unbewusst – Abstriche bei der Rendite in Kauf. Mit Tagesgeld können sie die Inflation nicht kompensieren und auch mit Festgeld ist bestenfalls ein Substanzerhalt zu erreichen“, betont der Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes Michael Hoeck. „Ein langfristiger Vermögensaufbau erfordert generell mehr Wertpapier-Geldanlagen. Mit dem Altersvorsorgedepot wird es ab Januar 2027 möglich sein, Geld in ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot zu investieren.“ Laut der bevölkerungsrepräsentativen YouGov-Umfrage sind aktuell selbst genutzte oder vermietete Immobilien, ETF-Sparpläne und die betriebliche Altersvorsorge die am häufigsten genutzten Formen der privaten Vorsorge: Jeweils 21 % der Bevölkerung geben an, diese entsprechend zu nutzen. Sie rangieren unter insgesamt elf zur Auswahl gestellten Alternativen deutlich vor Riester-Rente, Einzelaktien bzw. Aktiensparplan (jeweils 14 %) sowie privater Rentenversicherung und Kapitallebensversicherung (jeweils 12 %). 28 % der Bevölkerung verfügen derzeit über gar keine private Altersvorsorge.
Zeitvergleich 2019/2026: Mehr Offenheit für kapitalmarktbasierte Vorsorgelösungen
Eine Indikation für Veränderungen der Präferenzen seit dem Frühjahr 2019, inmitten der Niedrigzinsphase, geben Daten einer früheren YouGov-Erhebung***: Als am besten zur Altersvorsorge geeignet unter 14 zur Auswahl gestellten Geldanlage-Möglichkeiten schnitten damals Lebens- und Rentenversicherungen mit 23 % ab, gefolgt von Aktien- und Rentenfonds mit 18 % bzw. 17 %. ETF-Sparpläne kamen lediglich auf 8 % und landeten somit im unteren Mittelfeld des Rankings. „Die Offenheit für kapitalmarktbasierte Anlagen hat grundsätzlich zugenommen – gerade auch im Zeichen der politischen Diskussionen um die gesetzliche Rente“, analysiert Hoeck. Die Zahl der Wertpapierdepots bei den 264 Volks- und Raiffeisenbanken im Verbandsgebiet hat sich in den ersten drei Quartalen 2026 um 44.401 bzw. 1,3 % auf 3.395.357 erhöht. Die Kurswerte der auf diesen Depots gehaltenen Geldanlagen sind um 7,6 % bzw. 14,5 Mrd. Euro auf 205,8 Mrd. Euro gestiegen. Hoeck: „Besonders Jüngere aus Gen Z und Y setzen verstärkt auf ETFs und Aktien.“
Über die Hälfte der in der aktuellen YouGov-Erhebung Befragten (53 %) wünscht sich (eher) eine persönliche Beratung zum staatlich geförderten Vorsorgedepot von ihrer Bank – immerhin 40 % gehen (eher) davon aus, dass ihre Bank von sich aus wegen dieses Themas auf sie zukommt. „Einerseits steigen die Ertragschancen – andererseits müssen die Anleger qualifizierte Auswahlentscheidungen zwischen verschiedenen Alternativen treffen können. Zulagen und steuerliche Förderung schaffen einen konkreten Mehrwert, der Kundinnen und Kunden die Notwendigkeit zusätzlicher privater Altersvorsorge verdeutlichen kann und gleichzeitig erklärungsbedürftig ist. Zudem steigt die Bedeutung der Wertpapierberatung, da das Altersvorsorgedepot stärker auf Anlagen in Fondsprodukte ausgerichtet ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass die jetzt beginnende beratungsintensive Phase den Volks- und Raiffeisenbanken neue Chancen im zunehmenden Wettbewerb eröffnet“, ist der Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes optimistisch. „Sie kennen ihre Mitglieder und Kunden und können ganz im Sinne des genossenschaftlichen Förderauftrags aktiv auf sie zugehen, um im Dialog bedarfsorientierte Lösungen zu entwickeln.“
57 % wollen Produkt mit Garantien – 28 % derzeit ganz ohne private Vorsorge
Förderfähig beim Altersvorsorgedepot werden auch Produkte mit abgesenkter bzw. ohne Garantie sein. Bestehende Riester-Verträge können sowohl weiterlaufen als auch ins neue System übertragen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt würden 57 % der Befragten ein Produkt mit Garantien voll und ganz oder eher bevorzugen, weil ihnen Sicherheit explizit wichtiger ist als die Renditechancen. Im Gegensatz dazu würden 30 % wegen besserer Renditechancen ein Depot ohne Garantie voll und ganz oder eher präferieren. Knapp ein Fünftel traut sich derzeit kein Urteil zu und wählt die Antwortmöglichkeit „weiß nicht / keine Angabe“, bei der Aussage eines Wechsels mit dem Riester-Vertrag sind es rund 30 % der Riester-Sparer. Immerhin 39 % der Riester-Sparer geben hierzu aber an, (eher) in die neue geförderte Altersvorsorge wechseln zu wollen.
Altersvorsorgedepot bei Volks- und Raiffeisenbanken sowohl kostengünstig-digital als auch mit persönlicher Beratung
78 % der Mitgliedsbanken des Genoverbandes planen, sowohl kostengünstige digitale Möglichkeiten als auch Varianten mit persönlicher Beratung anzubieten. 59 % der Bevölkerung glauben voll und ganz oder eher, dass ihnen finanzielle Möglichkeiten fehlen, (mehr) Geld fürs Alter zurückzulegen Bei den Vorständen der Volks- und Raiffeisenbanken sind dagegen nur 23 % sind eher der Auffassung, dass ein erheblicher Teil ihrer Kundinnen und Kunden aufgrund begrenzter finanzieller Spielräume keines der neuen Vorsorgeangebote nutzen wird. „Der hohe Anteil der täglich fälligen Sichteinlagen auf den Kundenkonten der Volks- und Raiffeisenbanken ist eine Indikation dafür, dass in vielen Fällen durchaus ausreichend Spielräume zur Nutzung des neuen staatlich geförderten Altersvorsorgedepots bestehen dürften“, unterstreicht Michael Hoeck. „Dies kann und muss ebenso in Beratungsgesprächen ausgelotet werden, wie die Frage eines Riester-Wechsels bzw. eines Depots mit oder ohne Garantie.“
* Die verwendeten Daten beruhen auf einer repräsentativen Online-Umfrage des Genoverband e.V. unter Bankvorständen der Mitgliedsbanken. Von den 264 Volksbanken und Raiffeisenbanken im Verbandsgebiet haben sich zwischen dem 31. Juli und dem 21. August 2026 74 % an der Umfrage beteiligt.
** Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum zwischen dem 13.08. und 17.08.2026 insgesamt 1.534 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren. Die Umfrage wurde im Auftrag des Genoverband e.V. durchgeführt.
*** Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 08.04. und 10.04.2019 insgesamt 2.062 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren. Die Umfrage wurde im Auftrag des Genoverband e.V. durchgeführt.