Obwohl KI tendenziell dem Fachkräftemangel entgegenwirkt, bleibt dieser mit deutlichem Abstand wichtigster Grund für Verschmelzungen von Volks- und Raiffeisenbanken: Das zeigt eine Umfrage* des Genoverband e.V. unter den Vorständen seiner 264 Mitgliedsbanken in 14 Bundesländern. Einerseits denken 83 %, mit KI die Auswirkungen des demografischen Wandels abfedern zu können. Andererseits wird Fachkräftemangel trotz abnehmender Tendenz immer noch mit 62 % (2025: 75 %) am häufigsten als Begründung von den Banken genannt, die in den kommenden fünf Jahren eine Fusion planen oder für wahrscheinlich halten. Im bisherigen Jahresverlauf wurden 17 Fusionsabsichten gemeldet, 2025 wurden 11 abgeschlossen.
„Die Umfrage spiegelt einen dramatischen Wandel der personalwirtschaftlichen Bedarfe, der auch Auswirkungen auf die Fusionsdynamik haben kann. So kann es beispielsweise vorkommen, dass eine kleinere Bank fusionieren muss, weil sie nur bedingt oder zu unverhältnismäßig hohen Kosten Spezialisten für eine bestimmte Aufgabe bekommen kann“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes Michael Hoeck. “Die Banken stehen beim Thema Personal vor einer strukturellen Transformation: Dabei geht es sowohl um Einsparungen von Kapazitäten bei digitalisierbaren Tätigkeiten bzw. solchen, die durch KI abgedeckt werden können. Gleichzeitig müssen – bis hinauf zum Vorstand – für neue Anforderungen durch KI bislang nicht vorhandene Kompetenzen in die Häuser geholt und Mitarbeitende quer durch alle Tätigkeitsfelder für KI-Anwendungen qualifiziert werden.“
„Prozesseffizienz darf nicht zu KI-Dominanz führen.“
94 % der Banken glauben, dass die Qualifizierung von Mitarbeitenden für den Einsatz von KI in den kommenden Jahren eine zentrale Aufgabe sein wird. Knapp neun von zehn Vorständen (87 %) sind zwar davon überzeugt, dass KI das Verhältnis von Kosten und Erträgen langfristig verbessern wird, zunächst jedoch erhebliche Investitionen in Technik und Personal erfordert (86%). „Von großer Bedeutung ist die richtige Balance: Genossenschaftliches Banking steht für Nähe, Verbindlichkeit und Vertrauen – dabei wird der Faktor Mensch immer zentral sein“, betont Hoeck. „Prozesseffizienz darf nicht zu KI-Dominanz führen. Qualifizierte Mitarbeitende müssen immer steuern können und bei allen wichtigen Entscheidungen am Lenkrad sitzen. Nicht mit Technologie an sich wird die Zukunft gewonnen, sondern durch die Fähigkeit sie so einzusetzen, dass sie auf das Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken einzahlt.“
Bevölkerungsrepräsentative Daten**: KI-Akzeptanz in Bankberatung am ehesten rund um Informationssuche und Recherche
Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen YouGov-Befragung im Auftrag des Genoverbandes zeigen, dass Verbraucher den Einsatz von KI am ehesten rund um Informationssuche und Recherche begrüßen. Bei der Frage, wie die Beratung durch Banken in unterschiedlichen Bereichen in den nächsten fünf Jahren idealerweise erfolgen sollte, findet KI nur hier gleich hohe Zustimmung wie persönliche Beratung (je 32 % geben „ausschließlich“ oder „überwiegend“ bei der persönlichen Beratung und der KI-gestützten Beratung an). Für komplexe Themen wie Vermögensaufbau oder Baufinanzierung und im Service, z.B. bei der Problemlösung, wird dagegen ausschließlich oder überwiegend die persönliche Beratung klar bevorzugt – und zwar von jeweils knapp drei Viertel bzw. fast zwei Drittel der Befragten.
Dank KI zukünftig weniger Nachbesetzungen offener Stellen erforderlich
Knapp zwei Drittel der Banken schätzen, dass sie durch den Einsatz von KI künftig weniger offene Stellen nachbesetzen müssen. Dabei fällt auf, dass diese Annahme mit wachsender Bankgröße mehr Befürworter findet und bei den größten Häusern mit mehr als 2,5 Mrd. Euro Bilanzsumme eine Zustimmung von 87 % erreicht. „Mit wachsender Betriebsgröße dürften die erforderlichen Investitionen in KI besser möglich sein“, interpretiert Michael Hoeck diesen Zusammenhang. 68 % der Mitgliedsbanken gehen davon aus, dass die Anforderungen in Stellenausschreibungen sich durch den Einsatz von KI innerhalb der nächsten drei Jahre deutlich verändern werden. „Interne Personalentwicklung für hochqualifizierte Tätigkeiten wird zunehmend erfolgskritisch“, analysiert Hoeck. „Denn falls in der Bank keine geeigneten Kandidaten vorhanden sind und extern rekrutiert werden muss, ist dies mit erhöhten Kosten und Abhängigkeiten auf dem Arbeitsmarkt verbunden. Und eben auch mit fehlender Veränderungsfähigkeit der Bank bei länger andauernden Vakanzen. Veränderungsfähigkeit braucht deshalb ein strategisches Personalmanagement. Der Wettbewerb um qualifizierte Kräfte wird sich in der Finanzbranche eher noch intensivieren – KI kann helfen, mögliche Lücken zu schließen.“
Vorsorge für Babyboomer-Ruhestand – Zahl der Beschäftigten zuletzt gestiegen
Die Zahl der Beschäftigten bei den Banken im Verbandsgebiet ist 2025 um 1.871 bzw. 3,1 % auf 62.438 gestiegen, 2024 war sie um 1 % gewachsen. Für die kommenden 3-5 Jahre gehen 7 Prozent der Banken von einer steigenden und 52 Prozent von einer gleichbleibenden Mitarbeitendenzahl aus. „Aufgrund des Eintritts der sogenannten Babyboomer in den Ruhestand haben die Kreditgenossenschaften Vorsorge getroffen und Kapazitäten aufgebaut – in den nächsten Jahren wird der Schwerpunkt verstärkt auf neuen Qualifikationen liegen“, erläutert der Vorstandsvorsitzende des Genoverbandes. 72 % der Banken planen freiwerdende Stellen mit neuen Qualifikationen nachzubesetzen, 41 % wollen dies mit gleichbleibenden Qualifikationen tun (Mehrfachnennungen waren möglich). Hoeck: „Dabei ist zu bedenken, dass durch neue Berufsgruppen auch neue Erwartungen an die Bank als Arbeitgeber entstehen.“
Die Verbandsfamilie unterstützt die Banken bei den personellen Herausforderungen des Wandels. In der GenoPersonalConsult (GPC) sind die personalbezogenen Beratungsangebote gebündelt. Dazu zählen die Potenzialeinschätzung von Führungskräftenachwuchs sowie die Begleitung seiner gezielten Weiterentwicklung. Wo interne Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt sind, unterstützt die GPC bei der Gewinnung qualifizierter und kulturell passender externer Kandidatinnen und Kandidaten.
*Die verwendeten Daten beruhen auf einer repräsentativen Online-Umfrage des Genoverband e.V. unter Bankvorständen der Mitgliedsbanken. Von den 264 Volksbanken und Raiffeisenbanken im Verbandsgebiet haben sich zwischen dem 31. Juli und dem 21. August 2026 74 % an der Umfrage beteiligt.
**Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 13.08. und 17.08.2026 insgesamt 1.534 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren. Die Umfrage wurde im Auftrag des Genoverband e.V. durchgeführt.