Viel Kontinuität und wenig Veränderung zeigen im bisherigen Jahresverlauf sowohl die Finanzierungen als auch die Einlagen bei den 264 Volks- und Raiffeisenbanken aus 14 Bundesländern, die Mitglied beim Genoverband e.V. sind: Das Kreditvolumen wächst um 1,5 % auf 351,6 Mrd. Euro und bleibt damit etwas hinter den 2 % im Vergleichszeitraum des Vorjahres zurück. Das Volumen der gesamten Einlagen pendelt sich um 0,6 % unter dem Jahresultimo 2025 bei 373,3 Mrd. Euro ein – im ersten Halbjahr 2025 war mit -0,2 % eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Anders als im Vorjahr ist hier jedoch eine leichte Umschichtung zu Termineinlagen zu beobachten.
„Insgesamt sehen wir eine Seitwärtsbewegung als Folge von abwartendem Verhalten wegen der angekündigten bzw. in Umsetzung befindlichen Reformen der Bundesregierung und der hohen geopolitischen Risiken“, kommentiert Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbands, die Entwicklung. „In dieser Gemengelage fahren sowohl mittelständische Unternehmen als auch Anleger auf Sicht – zumal offenbleibt, wie die Europäische Zentralbank (EZB) im weiteren Jahresverlauf auf den verstärkten Preisdruck reagieren wird und eine durchgreifende konjunkturelle Erholung nicht in Sicht ist. Vor allem als Folge des seit März andauernden Irankriegs mit dem daraus resultierenden Energiepreisanstieg bleibt das Plus bei den Finanzierungen hinter dem im 1. Halbjahr 2025 zurück.“
Steuerliche Entlastungen zusätzlich zum Bau-Turbo dringend geboten
Das gewerbliche Kreditgeschäft erweist sich im bisherigen Jahresverlauf wie schon im ersten Quartal (+1,1 %) als vergleichsweise stabil: Bis zur Jahresmitte legt es um 2,0 % zu (Vorjahr 2,4 %). Demgegenüber liegt das Wachstum des Volumens der Immobilienfinanzierungen von 1,2 % deutlich unter den 1,9 % in der ersten Jahreshälfte 2025. Zugleich übertrifft dieses Plus aber noch erheblich die 0,5 % aus dem ersten Halbjahr 2024. „Das Bauen ist sehr teuer geworden. Schon heute können es sich die meisten Familien in Deutschland nicht leisten, ein Haus für 700.000 Euro neu zu bauen. Viele weichen auf günstigere Bestandsimmobilien aus und modernisieren sie nach ihren Bedürfnissen. Für eine spürbare Entlastung am Wohnungsmarkt muss sich der Neubau deutlich stärker beleben. Gerade jungen Haushalten fehlt es an Startkapital und Planungssicherheit – besonders für sie sind zusätzlich zum Bau-Turbo spürbare steuerliche Entlastungen dringend geboten“, fordert Hoeck. „Wer aktuell über genügend Kapital verfügt, sollte bei einem annehmbaren Preis jetzt mit einer passenden Baufinanzierung aktiv werden, da die Immobilienpreise vor allem im städtischen Raum vielerorts wieder anziehen und die Mieten immer teurer werden.“
Beginn beratungsintensiver Phase eröffnet neue Chancen im zunehmenden Wettbewerb
Bei den Einlagen legen die Festgelder in allen Laufzeitklassen zu, aber nicht vergleichbar mit dem markanten Trend zu Umschichtungen nach der EZB-Zinswende mit steigenden Zinsen zwischen Juli 2022 und September 2023. Aus dem Rückgang der täglich fälligen Gelder um 1,4 % in der ersten Jahreshälfte resultiert ein etwas niedrigerer Einlagen-Anteil von 64,1 % gegenüber 64,6 % per Ende 2025. „Wir sehen noch immer eine erhebliche Überliquidität, die je nach Risikoaffinität in langfristige bzw. ertragreichere Anlageklassen fließen sollte“, empfiehlt der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands. „Hier werden mit der Frühstart-Rente und dem neuen Altersvorsorgedepot markante neue Impulse kommen. Die Volks- und Raiffeisenbanken stehen mit den passenden Produkten und fundierter Beratung parat, um diese dritte Säule der Alterssicherung signifikant zu stärken.“ Auch angesichts neuer Wettbewerber im deutschen Markt, wie ausländischer Banken oder Neobroker, sieht Hoeck gute Chancen für die genossenschaftliche FinanzGruppe. „Wir stehen am Beginn einer sehr beratungsintensiven Phase. Das Bewusstsein der Menschen für die Notwendigkeit privater Vorsorge ist geschärft – gerade in dieser Zeit wirtschaftlicher und politischer Umbrüche sehen sie die in ihrer Heimatregion verankerten Volks- und Raiffeisenbanken als die richtigen Partner für ihre Finanzangelegenheiten.“ Mit Blick auf einen intensiveren Wettbewerb am deutschen Bankenmarkt sieht Michael Hoeck eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit ebenfalls gelassen: „Sowohl ihre Mittelstandskunden als auch ihre Mitarbeitenden könnten das zum Anlass nehmen, sich neu zu orientieren. Ihnen können wir attraktive Angebote machen und überzeugende Perspektiven eröffnen.“